Davy Klaassen (links) trifft per Elfer zum 1:0. Foto: Nordphoto Mit dem frühen 1:0 durch Davy Klaassen (links) begann im Stadion An der alten Försterei der Elfer-Wahnsinn.. Foto: Nordphoto
Union auswärts

Mit dem letzten Aufgebot

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Werder Bremen gewinnt mit Willen, Glück und Geschick bei Aufsteiger Union Berlin mit 2:1.

Ein vom Verletzungspech arg gebeuteltes Werder Bremen hat bei Bundesliga-Aufsteiger Union Berlin einen enorm wichtigen 2:1 (1:1)-Sieg gefeiert und mit dem zweiten Sieg in Folge den Zwei-Pleiten-Fehlstart in die Saison ausgebügelt. Niclas Füllkrug erzielte per Kopf den entscheidenden Treffer (56.), nachdem zuvor drei Elfmeter und der Videobeweis die Hauptbestandteile eines ziemlich irren Drehbuchs gewesen waren.

Davy Klaassen (5.) für Werder und Sebastian Andersson (14.) für Union verwandelte zwei Strafstöße, ehe Klaassen einen weiteren verschoss (55.). Unnötige Zugaben zum Schluss: Gelb-Rot für Berlins Neven Subotic (90.) und Bremens Nuri Sahin (90.+1).

Während der Schwalbe kommt das Foul

Aber was war das für ein verrückter Start in diese Partie! Nach nur 66 Sekunden zeigte Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) das erste Mal auf den Elfmeterpunkt. Der Referee hatte ein Foul an Klaassen gesehen und blieb auch nach Ansicht der Videobilder bei dieser Entscheidung. Und das war – sagen wir es ungeschönt – großes Glück für Werder. Denn Klaassen war erst von Unions Christoph Lenz berührt worden, als er gegen Berlins Keeper Rafal Gikiewicz ein Foul vortäuschen wollte.

Oder anders gesagt: Während der Schwalbe kam das Foul. Den Strafstoß hätte Welz auch gut und gerne zurücknehmen können. Weil er es nicht tat, trat Klaassen nach drei Minuten der Überprüfung an und verwandelte mit einem unplatzierten Schuss in die Mitte zur frühen Bremer Führung. Gikiewicz hatte noch den Fuß an den Ball bekommen, konnte aber nicht mehr abwehren.

Korrekter Strafstoß für Union

Werder in Front – und das schien in der speziellen Situation mit zehn verletzten Spielern – darunter Leistungsträger wie Maximilian Eggestein, Niklas Moisander sowie sämtliche Innenverteidiger – wie ein großes Geschenk. Doch die Freude darüber währte nur sieben Minuten. Ausgerechnet Christian Groß, dem die Bremer Personalnot zu seinem Startelf-Debüt in der Bundesliga verholfen hatte, unterlief im Strafraum ein klares Handspiel.

Zwar wurde er vom Ex-Bremer Anthony Ujah bedrängt, trotzdem: Das musste nicht sein. Welz hatte es zunächst nicht gesehen, benötigte erneut den Videobeweis und entschied völlig korrekt auf Strafstoß für Union. Sebastian Andersson trat an und ließ Jiri Pavlenka im Bremer Tor keine Chance.

Dritter Elfer liegt in der Luft

1:1 nach zwei Elfmeter und nur 14 Minuten. Bemerkenswert daran: Erst einmal wurden in der Geschichte der Bundesliga so früh im Spiel zwei Elfmeter verwandelt. 1989 war‘s, als beim 2:3 zwischen VfL Bochum und Waldhof Mannheim in der fünften und achten Minute vom Punkt getroffen worden war.
Vielleicht hätten es Union und Werder auch in die Geschichtsbücher geschafft, wenn Schiedsrichter Welz und Videoreferee Bastian Dankert in Minute 22 genauer hingeschaut hätten. Union-Verteidiger Lenz war der Ball klar an die Hand geflogen, doch trotz Besprechung mit dem Videokeller verzichtete Welz auf den Videobeweis. Kein dritter Elfer, keine erneute Werder-Führung. Dass darüber in der Nachbetrachtung des Spiels noch zu reden sein wird, ist klar.

Geflickte Viererkette hält

Nach den drei Aufregern im ersten Viertel senkte sich der Puls bei den 22.012 Zuschauern im Stadion „Alte Försterei“ nach und nach. Yuya Osako (25.), Johannes Eggestein (36.) und Leonardo Bittencourt (43.) feuerten noch auf das Union-Tor, Ujah versuchte es auf der Gegenseite – das war das, was in Halbzeit eins noch an fußballerischen Akzenten gesetzt wurde. Immerhin: Werder hatte es geschafft, dass die zusammengeflickte Viererkette nicht zu sehr unter Druck geraten war.
Nach der Pause schaffte Werder sogar noch mehr: Nämlich aus einem verrückten Spiel ein noch verrückteres zu machen. Wieder mit den Zutaten Foul, Videobeweis und Elfmeter.

Füllkrug rammt zum 2:1 ins Netz

Der dritte Teil dieses Dramas hatte jedoch eine besondere Pointe. Denn das war passiert: Theo Gebre Selassie war von Christopher Trimmel per Trikotzupfer am Torschuss gehindert worden. Schnelle Entscheidung von Welz – Elfer Nummer drei. Klaassen, schon beim ersten Versuch nicht der sicherste Schütze – scheiterte aber an Gikiewicz.

Was für Entsetzen auf der Bremer Bank sorgte. Doch nur Sekunden später entspannten alle wieder. Niclas Füllkrug, der kurz zuvor noch eine Großchance vergeben hatte, rammte den Ball nach einem Eckstoß von Nuri Sahin ins Netz (56.). Es war die perfekte Reaktion auf den Elfmeter-Fehlschuss. Einfach Wahnsinn!

Volles Risiko und zwei Platzverweise

Werder wieder vorn, und was machte Union Berlin, der Aufsteiger? Zunächst nicht viel. Die Platzherren kamen 20 Minuten lang überhaupt nicht mehr vor das Bremer Tor, ehe der eingewechselte Sebastian Polter – in der Jugend übrigens Torwart im Werder-Nachwuchs – für ein bisschen Gefahr sorgte (76.). Die Kontrolle über die Partie besaßen in dieser Phase jedoch die Bremer. Bis zur 80. Minute, als Pavlenka gegen Marius Bülter volles Risiko gehen musste, um das 2:2 zu verhindern. Bei einer weiteren Berliner Chance verhinderte Groß den Ausgleich.
Am Ende wurde es dann noch mal turbulent. Erst flog Subotic nach rüdem Foul an Bittencourt, dann Sahin –  wohl wegen Spielverzögerung. Er wird Werder am kommenden Wochenende gegen RB Leipzig fehlen. Der nächste Ausfall

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1 Antwort

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Bremen bot das Letzte aber für die Ossis aus dem Molloch Berlin reichte es.

    Wie in der politischen Heimat, reichte es einer Union nicht, die dabei auch personell das letzte bot, als es um die Aufstellung der Kandidaten für die Bremische Bürgerschaft ging, gegen Bremens Willen zu gewinnen.

    Am nächsten Wochenende gibt es dafür sportlich gesehen, aber sicherlich eine Heimklatsche vom Ligaersten aus dem tiefen Osten.

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