Ulrike Huhn (v.l.), Raimund Gaebelein und Uta Halle mit dem neuen Buch und einigen Fundstücken, die sie bei den Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlager Schützenhof gefunden haben.Foto: Bollmann
Schützenhof

Ausflugsort und KZ-Außenlager

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Im Bremer Verlag Falkenberg ist jetzt ein neues Buch über das ehemalige KZ-Außenlager Schützenhof erschienen.

Unter dem sperrigen Titel „Bremen-Gröpelingen, Bromberger Straße 117: ‚Schützenhof‘ – Internierungslager – Polenlager – KZ-Außenlager – Wohn- und Arbeitsort. Forschung und Erinnerung zur vielschichtigen Geschichte des ‚Schützenhofs‘ im 20. Jahrhundert“ ist jetzt ein Buch erschienen, das nicht nur die wechselvolle Geschichte des einstigen KZ-Außenlagers von Neuengamme aufarbeitet, sondern zugleich einen tiefen Einblick in die Arbeit der Forscher gibt.

Das ehemalige KZ-Außenlager wurde vermessen

Nachdem im vergangenen Jahr ein 30-köpfiges Expertenteam um die Bremer Landesarchäologin Uta Halle und die Historikerin Ulrike Huhn aufwändige Ausgrabungen auf dem Gelände des Schützenhofes unternommen und das gesamte Gelände mit Georadar vermessen haben, konnte nun die Historie des Ortes aufgearbeitet werden: Bis 1907 entstanden auf dem weitläufigen Gelände neben der Schießhalle ein 1.700 Quadratmeter großes, unterkellertes Gebäude mit Veranden, der Schützenhalle und einem Tanzsaal. Nur wenig später wurde dieses Gebäude durch eine Bowlingbahn und einen Musikpavillon ergänzt.

Besuchten in den ersten Jahren noch Zehntausende Besucher die Schützenfeste, war damit bereits 1915 Schluss. Noch vor Beginn des ersten Weltkrieges wurde der Schützenhof als Rekrutenunterkunft zweckentfremdet. 1921 wurden die Saalgebäude schließlich abgerissen, das nur 169 Quadratmeter große Wirtschaftsgebäude zu Wohnzwecken umgebaut und die Schießbahn zu einem neuen Saal umgewandelt.

Die Ansichtskarte zeigt den Schützenhof im Jahre 1912.Foto: Archiv Focke Museum

Die Ansichtskarte zeigt den Schützenhof im Jahre 1912.Foto: Archiv Focke Museum

1939 wurde der Schützenhof Internierungslager

Ab Oktober 1939 wurde das gesamte Gelände des Schützenhofes erstmals als Internierungslager genutzt. Zunächst für die Unterbringung von indischen Seeleuten, danach von Sinti- und Romafamilien, für Polen und „ausländische Arbeiter“.

Nach der Zerstörung der Gebäude bei einem Bombenangriff 1943 wurden auf dem Gelände dann die zum Teil noch stehenden Baracken errichtet, in denen ab Ende 1944 dann Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme untergebracht wurden. Insgesamt 1.400 sollen es gewesen sein, von denen 270 ums Leben kamen.

Vom Schützenhof aus mussten sie jeden Tag zur AG Weser laufen, um dort U-Boot-Teile zu bauen. Obwohl sie schwere körperliche Arbeit verrichten mussten, bekamen sie als Nahrung nur Tagesrationen von 400 Kalorien, berichtet Raimund Gaebelein von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Bremen (VVN-BdA).

Belgische Deportierte im KZ-Außenlager

Ein besonders tragisches Schicksal hatten dabei die Gefangenen, die noch kurz vor der Befreiung aus dem kleinen belgischen Dorf Meensel-Kiezegem verschleppt wurden. Lediglich fünf der 68 Bauern und Handwerker überlebten Zwangsarbeit und Todesmarsch.

Das neue Buch beleuchtet aber auch die weitere Nutzung des Schützenhofes. Schließlich wurde nur ein Teil des Areals in den 1960er und -70er neu bebaut. An einem Teil der heutigen Gebäude kann man aber heute noch die Lagerspuren erkennen, erklärt Halle.

Das Buch ist unter der ISBN-Nummer 978-3-95494-194-0 im Bremer Verlag Edition Falkenberg erschienen und für 19,90 Euro im Handel erhältlich.

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1 Antwort

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Findorff diesbezüglich mit bedauerlicher Leitkultur

    Gröpelingen mit seinem Schützenhof war lediglich ein Außenlager von Neuengamme. Die Bremer Nazis hatten ihr KZ in Findorff unter eigener Regie. So wurde Bremen als erste Stadt in Deutschland, als “judenfrei” gemeldet.

    Findorff hatte auch sein KZ. Die ehemaligen Missler-Auswanderungshallen, wurden unter den Nazis zum KZ-Missler und nach dem Krieg zum Diakonissenmutterhaus. Am Ende wurde es als Krankenhaus Findorff abgerissen und zum Gedenken eine Tafel an einem stehen gelassenen Rest der Mauer des ehemaligen Gebäudes angebracht.

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