Stefan Grawe bietet neben seinen freien Reden auf Trauerfeiern auch gesangliche Begleitung an. Er wechselt vom Redner- ans Notenpult und wieder zurück. Foto: Schlie Stefan Grawe bietet neben seinen freien Reden auf Trauerfeiern auch gesangliche Begleitung an. Er wechselt vom Redner- ans Notenpult und wieder zurück. Foto: Schlie
Singender Bestatter

Ein Sänger ohne Applaus

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„Ich habe Bach und Chopin im Programm, aber auch Musical, Operette und Rockmusik“, sagt Stefan Grawe.

Eine Aussage, die nicht unbedingt von einem Trauerredner zu erwarten ist. Doch Stefan Grawe, Inhaber des Bestattungsunternehmens Vialdie, ist nach eigener Aussage der erste Bestatter Deutschlands, der sowohl als freier Redner als auch, auf Wunsch, eine gesangliche Begleitung anbietet und somit als Sänger auftritt.

Angebot nicht ohne Hintergrund

„Jeder kennt Redner, aber dass derjenige plötzlich an den Notenständer geht und singt, das gibt es sonst nicht“, sagt Grawe. Er sei jedoch ein Sänger, der keinen Applaus bekomme.

Das liegt vermutlich aber eher an der Situation, in der seine Darbietungen stattfinden als an seinem Können. Das Angebot kommt nämlich nicht völlig ohne Hintergrund zustande.

„Ich habe mit 23 Jahren angefangen, klassischen Gesang zu studieren“, sagt Grawe. Das Studium habe er jedoch abbrechen müssen: „Ich konnte es mir finanziell einfach nicht mehr leisten.“ Also habe er, wie er sagt, den Traum, Sänger zu werden, ad acta gelegt.

Anders sein, als die Norm

Den Bestatter Vialdie gibt es seit zwölf Jahren. Alle Mitarbeiter sind Quereinsteiger, wie Grawe selbst. „Wir sind in zwölf Jahren stetig gewachsen und nun einer der größte Bestatter Bremens“, sagt er.

Wichtig sei es ihm immer gewesen, anders zu sein als die Norm. Keiner in seinem Team sei verpflichtet, schwarz zu tragen, und Trauergesichter gebe es auch nicht: „Bei uns ist niemand verstorben. Wir wollen Kraft spenden und den Angehörigen unterstützend zur Seite stehen“, erklärt der Vialdie-Inhaber.

Kehlkopfentzündung führt Stefan Grawe zum Training

Auch seine Reden halte er anders als andere. „Was ich sage, ist sehr persönlich auf die Person bezogen. Es soll so authentisch wie möglich sein“, sagt er. Seit rund fünf Jahren arbeitet er als freier Redner.

Dass er gefragt ist in seinem Job als Redner, äußerte sich sogar schon in einer Kehlkopfentzündung. In Folge derer entschied er sich, zu einem Atem-Stimm-Sprechtrainer zu gehen.

Mit der Stimme den Dom ausfüllen

Zu sprechen, ohne die Stimme zu überlasten, war das eigentliche Ziel. Das Ende vom Lied war eine dreijährige Ausbildung, die neben Sprechtraining zweieinhalb Jahre Gesangsausbildung umfasste.

„Ich habe gelernt, wann ich wie atmen muss. Die meisten Menschen atmen durch die Lunge, Kinder noch über das Zwerchfell. Darum können Kinder auch so lange schreien, ohne Halsschmerzen zu bekommen“, erklärt Grawe lachend.

Sänger lernen, mit dem Zwerchfell zu arbeiten, so dass sie genug Kraft in der Stimme haben, um selbst ohne ein Mikrofon den Dom stimmlich auszufüllen.

Von „Moon River“ über „Ave Maria“ zu „My Way“

Vor einem halben Jahr hat Grawe die Ausbildung abgeschlossen. Nun bietet er – im eigenen Haus – die gesangliche Begleitung seiner Reden an. „Es wird unglaublich gut angenommen“, sagt er.

Sein Repertoire umfasst dabei Lieder wie „Moon River“, Bachs „Ave Maria“, aber auch Sinatras „My Way“ oder „Tonight“ aus der West Side Story sind möglich. Mit einem Stimm­umfang von dreieinhalb Oktaven kann sich Grawe aber auch an Freddie Mercury heranwagen.

Zwei Dinge verneint er jedoch: „Tanzen wird nicht passieren“, sagt er und er werde auch nicht probieren, andere zu kopieren. Wie seine Reden ist auch sein Gesang persönlich. Er macht es auf seine Art.

Weitere Informationen im Internet auf bestattungen-vialdie.de

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