Am Freitag gab der Landkreis seine Entscheidung bekannt. Die Corona-bedingte Quarantäne der Mitarbeiter hat auch Folgen für den Tierschutz. Symbolfoto: Pixabay
Wildeshausen

Corona im Schlachtbetrieb

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Gesamte Belegschaft des Betriebs Geestland Putenspezialitäten in Quarantäne.

Im Laufe der Woche hat sich herauskristallisiert, dass das Corona-Virus auch in dem Schlachtbetrieb Geestland Putenspezialitäten grassiert. Bereits am Dienstag, 23. Juni, kündigte das Unternehmen Wiesenhof an, die über 1.100 Beschäftigten des Betriebs in Wildeshausen testen zu wollen. Anlass waren 23 positiv auf COVID-19 getestete Beschäftigte. Am Freitag standen die Ergebnisse fest und der Landkreis Oldenburg hat verfügt, dass alle Mitarbeiter und deren Kontaktpersonen bis zum 10. Juli in häusliche Quarantäne kommen. Der Betrieb des Schlachtbetriebs wird entsprechend heruntergefahren.

Für in der Verordnung definierte Arbeitsbereiche ist eine Arbeitsquarantäne möglich, um verwaltungstechnische und sicherheitsrelevante Bereiche abzudecken sowie die ordnungsgemäße temporäre Beendigung der Produktion wie auch die Reinigung sicherzustellen.
„Das ist eine Entscheidung, die uns nicht leicht gefallen ist. Aber nach Abwägung aller Fakten und Erkenntnisse und Abschätzung der Risiken haben wir uns dazu entschlossen“, sagt Landrat Carsten Harings, der darauf verweist, für die Entscheidung die Zustimmung der Landesregierung sowie des Sozialministerium des Landes Niedersachsen zu haben. „Die primäre Aufgabe ist es, die Bevölkerung vor weiteren Infektionen zu schützen“, führt Harings weiter aus.

Insgesamt gibt es in dem Schlachtbetrieb bei 1.183 vorliegenden Testergebnissen 46 positive Fälle einer Covid-19-Infektion. Davon sind 24 Personen wohnhaft im Landkreis Oldenburg. Die übrigen Personen leben in den umliegenden Landkreisen, Städten oder andernorts.

Aktuell gibt es drei weitere Infektionsschwerpunkte in Wildeshausen, die direkt in Verbindung mit dem Geschehen in dem Schlachtbetrieb stehen. Bei dem einen Schwerpunkt wurden von 28 Personen mittlerweile 25 Personen getestet, wovon es drei positive Fälle gibt. Im zweiten Schwerpunkt wurden 124 Personen getestet mit einem positiven Fall. Bei einem dritten Schwerpunkt wurden 53 Tests genommen. 43 Ergebnisse liegen vor. Davon sind zehn positive Fälle, acht davon sind wohnhaft im Landkreis Oldenburg.

Bei der in den vergangenen fünf Tagen entstandenen Dynamik sei mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass weitere Personen bereits infiziert sind, heißt es von Seiten des Landkreises. Dies gilt insbesondere, da es ernstzunehmend wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, dass zirkulierend gekühlte Umluft zu Ausbreitung des Virus beiträgt. Diese Faktoren haben die Entscheidung eine so umfassende Quarantäne zu verfügen maßgeblich beeinflusst.

Auswirkung auf den Tierschutz

Was den Schlachtbetrieb angeht, so beschränken sich die Folgen der zeitweisen Schließung nicht nur auf die Mitarbeiter. es werden keine Puten zur Schlachtung mehr angenommen. Da die PHW-Gruppe über keinen weiteren Schlacht- und Zerlegebetrieb für Puten im Inland verfügt, drohen Tierschutzproblematiken in den landwirtschaftlichen Aufzuchtbetrieben.

Daher wird Geestland kurzfristig das Veterinäramt in Oldenburg über die neue Situation informieren und das niedersächsische Agrarministerium um Soforthilfe in Form von Sondergenehmigungen für die Schlachtung der Puten in anderen Schlachtereien in Niedersachsen bitten. Norbert Deeken, Geschäftsführer der Putenschlachterei sagt: „Es müssen gemeinsam und schnellstmöglich Lösungsmöglichkeiten für die Landwirte gefunden werden. Im schlimmsten Fall müssten die Landwirte gesunde Tiere in ihrem Betrieb töten. Dies gilt es jetzt unbedingt zu vermeiden.“

Der Fall in Wildeshausen erreicht nicht die Größenordnung der Firma Tönnies in Nordrhein-Westfalen, doch die Folgen sind über den Betrieb hinaus zu spüren, da viele der Mitarbeiter von Geestland außerhalb von Wildeshausen wohnen.

Die Gesamtzahl der registrierten Infektionen im Landkreis Oldenburg laut Informationen vom vergangenen Freitag beträgt aktuell 289 bestätigte Fälle einer COVID-19-Erkrankung. Von der Gesamtzahl 289 gelten aktuell 235 Personen wieder genesen. Elf Personen sind verstorben. Somit gibt es aktuell 43 registrierte an Covid-19 erkrankte Personen. In Quarantäne befinden sich derzeit 184 Personen. Bei den aktuell 43 Erkrankten handelt es sich um Personen aus der Stadt Wildeshausen (26) und der Gemeinde Großenkneten (15) sowie der Samtgemeinde Harpstedt (2).

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