Im Rahmen einer Sondersitzung werden im Beirat Blumenthal Ausschüsse aufgelöst und neu besetzt. Symbolfoto: Pixabay Seit dem Herbst tagen die meisten Beiräte nicht mehr in Präsenz, sondern per Videokonferenz. Symbolfoto: Pixabay
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„Natürlich fehlt der persönliche Kontakt“

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Welche Nachteile und welche Vorzüge die digitalen Beiratssitzungen in Bremen mit sich bringen.

Mit der Corona-Pandemie sind die Beiräte in Bremen endgültig im digitalen Zeitalter angekommen. Seit Herbst tagen fast alle Stadtteilparlamente per Videokonferenz. Nur in Seehausen kann ein Saal genutzt werden, in dem alle ausreichend Abstand halten können.

Ortsamtsleiterin Ulrike Pala, zuständig für Gröpelingen, Findorff und Walle, ist dankbar für die digitale Möglichkeit: „Im Frühjahr haben wir Beschlüsse ausschließlich im Umlaufverfahren gefasst, weil das digitale Verfahren noch nicht initiiert war. Die Sitzungen sind ein großer Fortschritt.“

Senatskanzlei hilft bei Problemen

Die Senatskanzlei unterstützt die Ortsämter und Beiräte. „Es mussten Webcams, Headsets und Lizenzen für die Videokonferenz-Software angeschafft werden“, sagt Werner Wick von der Senatskanzlei. Bisher seien Kosten von etwa 7.750 Euro entstanden. Auch bei rechtlichen, technischen und praktischen Fragen hilft die Senatskanzlei weiter.

Ortsamtsleiterin Ulrike Pala. Foto: Schlie

Pala ist überrascht, wie gut die Videokonferenzen funktionieren. „Wir haben inzwischen die Routine, und die Angst vor der Technik hat nachgelassen. Wichtig ist, dass sich alle an die Spielregeln halten.“ Diese hat Pala direkt auf der Homepage des Ortsamts veröffentlicht: Beiratsmitglieder dürfen ihre Kamera aktivieren; Gäste, die gerade nicht sprechen, sollen ihre Kamera ausschalten. Kommentare werden nicht über die Chatfunktion abgegeben. Schließlich gilt es, Paralleldiskussionen zu vermeiden.

Schlechte Internetverbindungen sorgen für Probleme

Auch in Vegesack setzt man seit Monaten auf Videokonferenzen über das Tool „Go to Meeting“. „Für mich ist es schwieriger geworden, die Sitzungen zu leiten“, erzählt Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt. „Teilweise nehmen über 60 Personen teil. Beiratsmitglieder, Referenten und Bürger werden nicht sortiert dargestellt, und die Köpfe sind so groß wie Briefmarken“, erläutert er die Schwierigkeiten.

Ein weiterer Nachteil gegenüber einer Päsenzsitzung: In Vegesack nimmt ein Beiratsmitglied nicht an den digitalen Sitzungen teil, weil dort nicht die technischen Voraussetzungen erfüllt werden können.

„Diskussionen sind genauso intensiv“

Die Probleme kennt auch Borgfelds Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe. Dort können die drei Beiratsmitglieder aus

Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt. Foto: Harm

Timmersloh nicht teilnehmen – zu schlecht ist die Internetverbindung. „Aber der Breitbandausbau geht gut voran“, sagt Bramsiepe. Räume im Ortsamts können die Betroffenen nicht nutzen, weil dort noch kein Wlan verfügbar ist. Bramsiepe hofft – genau wie Heiko Dornstedt – möglichts schnell wieder Präsenzsitzungen durchführen zu können. „Video kann nur ein Vehikel in diesen Zeiten sein“, sagt Bramsiepe.

Ulrike Pala kann dem Digitalformat durchaus viel Positives abgewinnen. „Wir erreichen viele Bürger“, sagt die Ortsamtsleiterin im Bremer Westen. So habe es schon Sitzungen mit 80 Teilnehmern gegeben. „Bürger können sich zuschalten und wieder gehen, wann sie möchten. Da ist der Reiz größer, einfach mal den Laptop anzuschalten und reinzuschauen.“ Auch die Diskussionen seien genauso intensiv wie sonst auch. „Was aber fehlt, ist natürlich der persönliche Kontakt.“

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