Foto: Stadtarchiv Delmenhorst
Stadtgeschichte

Rohe Häute, Kohle, Sämereien

Von
Auf dem Rathausplatz wird seit 1826 Markt gehalten. Früher gab auch Märkte für Vieh-, Pferde, Heu- und Stroh.

Bereits am 2. Mai 1601 gewährte Graf Anton II. (1577 – 1619) der Stadt Delmenhorst einen offenen, freien „Vieh-, Roß und Jahrmarkt“. Jürgen Mehrten schreibt in den Delmenhorster Schriften – herausgegeben vom Heimatverein Delmenhorst – von 1990: „Jedem Viehhändler, Krämer und Kaufmann wurde erlaubt, den Markt mit Vieh, Pferden und Waren zu besuchen, darauf zu handeln, zu werben, zu verkaufen und einzukaufen, wie es einen jeden Gelegenheit gibt und einfordert.“

Vieh-, Ross und Jahrmarkt

Dagegen erhob Graf Antons Bruder, Graf Johann von Oldenburg, Einspruch. Er verbot seinen Untertanen in der Grafschaft Oldenburg gar, den Delmenhorster Markt zu besuchen, um mögliche Nachteile für den Markt in Oldenburg auszuschließen.

Der Verkauf in Delmenhorst muss eingestellt worden sein, denn anders ist es nicht zu erklären, warum der letzte Delmenhorster Graf Christian IX. (1633 – 1647) den Markt im Oktober 1635 neu ins Leben rief.

Handel mit „Viktualien“ feiert am 14. Juni 1826 seine Premiere

Dazu muss man wissen, dass das Gebiet der Stadt Delmenhorst bis zum Beginn der Industrialisierung sehr viel kleiner war als heute. Es gab lediglich die Lange Straße, den Marktplatz und wenige kurze Seitenstraßen. Die Einwohnerzahl betrug nie mehr als 1.800 Personen.

Seine Premiere erlebte der Handel mit „Viktualien“ auf dem Marktplatz am 14. Juni 1826. Die Händler boten Obst, Gemüse, Fleisch und alle Waren, „welche zur täglichen Funktion und zum sonstigen Bedarf in den Haushaltungen“ gehörten, an. Das waren unter anderem Kohlen, Bauholz, Heu, rohe Häute, Sämereien sowie Garn und Flachs. Die Geestbauern lieferten vorwiegend Getreide und Kartoffeln, die Viehzucht treibenden Marschbauern boten Fleisch und Butter an.

Marie Fitger erinnert sich

Die Schwester des Maler-Poeten Arthur Fitger, Marie Fitger, hielt in ihren Erinnerungen um 1850 fest: „Auf dem Wochenmarkt wurden die ländlichen Produkte der Umgebung je nach Jahreszeit angeboten. (…) Aus dem nahen Dorf Adelheide kamen Strohmatten, die in Hausarbeit sauber und billig hergestellt waren, sowie Reisigbesen, Heidquaste und Holzschuhe. Suppenhühner und Hasen gab es. Aus Altenesch brachten Fischer lebende Aale in Säcken. (…) Den Leinenbedarf für den großen Haushalt kaufte Mutter von den fleißigen Bauernfrauen, die es, in sauberen Rollen aufgewickelt, anboten.“

Ab 1895 fand am dritten Freitag eines jeden Monats ein Viehmarkt statt. Darüber hinaus gab es in der Cramerstraße einen Heu- und Strohmarkt sowie im Februar und September einen Pferdemarkt. 1903 kaufte die Stadt das Gelände des ehemaligen gräflichen Küchengartens. Heute befindet sich an dieser Stelle der Hans-Böckler-Platz.

Viehmarkt im ehemaligen gräflichen Küchengarten

Einen Teil der Fläche richtete man als Marktplatz her und nannte sie „Neuer Markt“. Dort fand ab 1. Januar 1905 der Viehmarkt statt. Das sorgte schnell für Ärger. So musste sich beispielsweise im November 1907 die Politik mit Beschwerden von Anwohnern der Gartenstraße beschäftigen, die Beschädigungen an ihren Grundstücken aufgrund des durch die Straße getriebenen Viehs beklagten.

Bereits 1896 bekam Delmenhorst eine Markthalle. Es handelte sich um einen hölzernen Fachwerkbau. Sie erwies sich bald als zu klein. 1920 entstand die heutige Markthalle. Den Rundbau aus Klinkern, die Arkaden und das Rathaus samt Wasserturm plante der Architekt Heinz Stoffregen.

Wegen der Umgestaltung des Rathausplatzes mit einer Halteinsel für den Busverkehr zog der Markt 1952 auf den Hans-Böckler-Platz um, der für diesen Zweck gepflastert wurde. Erst 1975 verlegte man die zentrale Bushaltestelle zur Straße Am Stadtwall. Der Rathausplatz war somit wieder frei; die Wochenmarkthändler kehrten auf ihren alten Stammplatz zurück. Dort findet der Wochenmarkt fast ununterbrochen mittwochs und sonnabends statt.

Drei Mal ist Wochenmarkt

Im Oktober 1962 richtete man auf dem Parkplatz beim Stadion in Düsternort einen Markt für Speisekartoffeln. Er wurde ab April 1963 auf alle Gegenstände des Wochenmarkthandels erweitert. Markttag war anfangs der Donnerstag. Seit dem 25. Oktober 1963 findet er nun jeweils am Freitag statt und bildet somit den dritten Delmenhorster Wochenmarkttag.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner