Digitale Gesundheitsangebote wie Videosprechstunden bei leichten Erkrankungen entlasten Praxen und Patienten.Foto: Pixabay Digitale Gesundheitsangebote wie Videosprechstunden bei leichten Erkrankungen entlasten Praxen und Patienten. Foto: Pixabay
Gesundheit

Videosprechstunde sehr gefragt

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Arzt-Diagnose per Webcam erleichtert die Arbeit im Praxisalltag.

Immer mehr Deutsche nutzen die Videosprechstunde. Das ist das Ergebnis einer Studie der Handelskrankenkasse (hkk) in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) und Studienleiter Hajo Zeeb zur Nutzung und Akzeptanz digitaler Gesundheitsangebote.

Dafür wurden 1.839 zufällig ausgewählte Versicherte der hkk Anfang des Jahres mithilfe eines Fragebogens befragt. 712 Versicherte gaben an, die Videosprechstunde bereits genutzt zu haben.

Videosprechstunde informativer als Telefonat

2019 konsultierten in Bremen und Niedersachsen neun Versicherte ihren Arzt per Bildschirm, 2020 stieg die Zahl auf 4.010 in beiden Bundesländern zusammen (2021: 4.088). Laut Studie werden die Videosprechstunden am häufigsten auf Initiative und Hinweis des Arztes hin genutzt.

In der Hausarztpraxis von Matthias Juricke, Arzt für Innere Medizin in Habenhausen, gehört die Videosprechstunde bereits seit längerem zum Praxisalltag – und entlastet sowohl die Angestellten als auch die Patienten. „Wir haben schon kurz vor der Pandemie damit begonnen, aber erst mit Corona kam das Angebot zur Geltung und wurde viel genutzt“, sagt Juricke.

Patienten betreten zunächst ein virtuelles Wartezimmer und werden von dem Arzt dann nacheinander aufgerufen. Zuvor haben sie einen Termin erhalten. „Über die Videosprechstunde erhalte ich deutlich mehr Informationen zum Gesundheitszustand als über das Telefon. So kann ich zum Beispiel den Gesichtsausdruck sehen.

Manche Erkrankungen können direkt per Video diagnostiziert werden“, erklärt Juricke. Gemeint sind beispielsweise Hauterkrankungen. Im Falle von Erkältungen, Grippe oder Corona bietet die Videosprechstunde zudem allen anderen Patienten und dem Personal gegenüber einen Schutz vor Ansteckung.

Zeitersparnis für Ärzte

Auch akut erkrankte Patienten können die Sprechstunde in Verbindung mit einer Art Hausbesuch nutzen. „Wenn ein Patient zum Beispiel über 80 Jahre alt ist und über starke Bauchschmerzen klagt, dann fährt eine medizinische Fachangestellte mit dem iPad zu ihm. Sie misst Puls und Blutdruck und holt mich dann zum Gespräch dazu. Die Daten habe ich direkt auf dem Schirm. Bis jetzt konnten wir so direkt am selben Tag helfen“, erklärt Juricke den Ablauf.

Hausärzte könnten noch besser den Versorgungsansprüchen gerecht werden und viel Zeit sparen. Zudem seien die Patienten so auch schneller versorgt, ist er sich sicher. „Es ist eine enorme Erleichterung im Praxis­alltag“, sagt der Mediziner. Patienten, für die eine körperliche Untersuchung notwendig ist, werden weiterhin in die Praxis einbestellt.

Abläufe in der Praxis werden erleichtert

Juricke und sein Team nutzen auch andere digitale Lösungen, um die Abläufe in der Praxis zu erleichtern und Ressourcen zu sparen. So können Termine online vereinbart werden, die Telefone werden also nicht blockiert.

Die Fragebögen zum Gesundheitszustand können direkt am iPad ausgefüllt werden, es muss nichts mehr ausgedruckt und wieder eingescannt werden. Sprachnachrichten auf dem Anrufbeantworter werden zudem direkt in Text codiert und als Mail an die Praxis geschickt. „All das gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. Wir haben extra einen Mitarbeiter für die IT eingestellt, der dafür sorgt, dass die Lösungen auch funktionieren“, sagt Juricke. Er selbst setzt zudem auch auf den baldigen Start der elektronischen Patientenakte als effizientes Mittel, um immer alle wichtigen Patientendaten parat zu haben.

Auch die Studie der hkk zeigt: Über 90 Prozent der Befragten fühlten sich während ihrer jüngsten Videosprechstunde gut betreut, würden sie erneut nutzen und auch weiterempfehlen.

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