Dirk Schwampe (links) und Andreas Kottisch und sind die Gründungsväter des Netzwerkes i2b in Bremen.Foto:pv
Dirk Schwampe

„Sichtbar sind wir nur als Region“

Von
Vom New-Economy-Treff zum Netzwerk für die gesamte Wirtschaft der Region: Dirk Schwampe über 25 Jahre i2b.

Weser Report: Herr Schwampe, herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Für diejenigen, die in den vergangenen 25 Jahren noch nicht mitbekommen haben, was i2b (idea to business) ist, erklären Sie es bitte kurz!

Dirk Schwampe: i2b ist ein Innovations-, Wirtschafts-, und Wissenschaftsnetzwerk. Mit knapp 26.000 Mitgliedern ist es das größte in der Region. Im Unterschied zu Branchennetzwerken vernetzen wir alle Branchen miteinander. Es ist ein Entscheidernetzwerk, weil wir Personen vom Abteilungsleiter/Abteilungsleiterin bis zu geschäftsführenden Vorständen ansprechen und zu unseren Veranstaltungen einladen.

Wie viele von den 26.000 Kontakten sind regelmäßig bei den Treffen dabei?

In der Regel zwischen 300 und 600. In der letzten Zeit sind es ein paar weniger, weil wir es reglementieren. Nach Corona haben unsere Kooperationspartner gesagt, dass sie das ganz angenehm empfinden, wenn wir das auf 150 bis 200 beschränken würden, weil man dann einfach besser miteinander sprechen kann. Wir machen aber auch Ausnahmen, wenn die Kooperationspartner es möchten. Im vergangenen Jahr hatten wir zum Beispiel ein Event mit der Messe Bremen, da waren es dann um die 600.

Woher kommen die Ideen zu den Themen der Treffen?

Entweder aus unserem Erfahrungsschatz – dann müssen wir uns passende Partner suchen. Oder Ideen kommen von unseren Kooperationspartnern. Uns kommt es immer darauf an, dass das Thema innovativ ist, dass es Wissenschaft und Wirtschaft betrifft und das es in der Region eine überragende Bedeutung hat.

Gibt es herausragende Projekte oder Firmen, die aus i2b entstanden sind?

Unternehmen eher nein. Projekte sehr viele, weil sich auf unseren Veranstaltungen Menschen treffen, die feststellen, dass sie im gleichen Bereich arbeiten, und die dann darüber nachdenken, gemeinsam etwas zu tun. So haben sie dann entweder gemeinsam neue Kunden gewonnen oder gemeinsam neue Projekte gemacht. Symptomatisch für unsere Veranstaltungen ist eigentlich, dass das zu einem Treffpunkt geworden ist, wo man sich nicht mit einer Person trifft, sondern gleich mit fünf verabredet ist, um kurz über das Eine oder das Andere zu sprechen.

Welchen Gast hätten Sie gern mal begrüßt, der bislang nicht gekommen ist?

Kommt immer darauf an, unter welchem Aspekt man das sieht: Wenn man riesig Marketing auffahren möchte, dann hätte ich schon gern mal Herrn Höttges von der Telekom, um etwas über die Strategie zur Entwicklung des Mobilfunks, den Ausbau des Glasfasernetzes und die Cyber-Security-Strategie zu erfahren. Ich hätte auch gern den Chef von Tennet, um zu klären, warum der Ausbau der Leitungsnetze in Deutschland so lange dauert, wo wir die doch so dringend brauchen. Christian Klein von SAP, wäre auch gern eingeladen, um mal über die Digitalstrategie in Deutschland zu sprechen.

Für Teilnehmende sind die Veranstaltungen von Anfang an bis heute kostenlos. Ist die Finanzierung über Kooperationspartner im Laufe der Jahre eher leichter oder eher schwieriger geworden?

Es ist leichter geworden, weil wir uns zu einer Marke entwickelt haben. Am Anfang waren wir ein reines IT-Netzwerk. Das war die Zeit der New Economy, als man erwartete, dass diese Unternehmen die Wirtschaft mal eben auf links drehen würden. Es hat sich dann anders entwickelt.

Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Wahrscheinlich hätten wir viel eher den Mut haben sollen, Personen einzustellen. Am Anfang haben wir noch alles selbst gemacht. Und vielleicht hätten wir noch eher in die Region gehen sollen. Wir haben ja mit Bremen angefangen, dann haben wir Veranstaltungen in Bremerhaven gemacht, dann in Oldenburg, dann ab und zu mal in Berlin und im niedersächsischen Umland. In den ersten Jahren waren wir aber sehr auf Bremen und Bremerhaven zentriert. Das war aber damals so die Denke. Inzwischen haben alle verstanden, dass wir uns in Europa nur vernünftig bewegen können, wenn wir auch sichtbar sind. Sichtbar sind wir nur als Region und nicht als Stadt, denn da kennt uns niemand. Hinter i2b steht die Idee, die Region nach vorn zu bringen und eine gute Vernetzungsstruktur zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur hinzubekommen. Das ist eine andere Idee, als wenn ich eine Firma mit einer möglichst hohen Gewinnerzielungsabsicht gründe. Die haben wir nicht. Wir sind sehr dankbar, dass wir aus der Wirtschaft getragen werden und unsere Veranstaltungen durchführen können.

Was haben Sie sich für die nächsten 25 Jahre vorgenommen?

(lacht) Wir haben das gesetzte Format mit den i2b-Veranstaltungen. Dazu haben wir im vorletzten Jahr das junge Format „i2b next level“ aus der Taufe gehoben, das nicht nur das Ziel hat, junge Leute auf unsere Veranstaltungen zu bringen, sondern auch junge Leute, die hier studieren oder eine Ausbildung machen, in der Region halten soll. Wir sind überzeugt, dass es umso schwerer fällt, diesen Mikrokosmos zu verlassen und tolle Angebote aus Frankfurt oder München anzunehmen, je mehr Leute man hier kennt. Wir wollen die jungen Fachkräfte in der Region halten. Das wollen wir ausbauen. Das gilt auch für unser Digital-Magazin, den i2b-Express und wir möchten noch an deutlich mehr Standorten Veranstaltungen machen. Erstmal in Niedersachsen, dann in der ganzen Republik. Die Struktur muss sich vor Ort aber immer selbst tragen. Wir kommen nicht als Imperialisten und sagen dir, wie deine Region funktioniert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...