Kaum ist Finni von der Leine gelassen, flitzt sie auch schon los. Doch wohin zuerst? Viele frohe Gesichter umringen sie, lachen sie an und locken sie zu sich. Aber die Hundedame weiß genau, dass es heute um mehr geht als „nur“ ein paar Streicheleinheiten. Sie hat etwas zu tun im Elmeloher Wichernstift, in dem sich die Bewohner an jedem Donnerstag auf tierischen Besuch freuen dürfen. Finni, ein vierjähriger Islandspitz, ist als Besuchshund der Malteser im Einsatz, um älteren oder pflegebedürftigen Menschen eine Freude zu machen. Gerade sind die Malteser in Delmenhorst und der Wesermarsch nach dem Abschluss einer weiteren Ausbildung „Besuchs- und Begleitdienst mit Hund“ um acht Besuchshunde reicher geworden. Die Fellnasen spielen mit den Menschen, sind echte Partner und Seelentröster, schenken Nähe und Wohlbefinden.

Havaneser-Hündin Lilly hat gerade die Ausbildung „Besuchs- und Begleitdienst mit Hund“ vom Malteser Hilfsdienst abgeschlossen. Beim Einsatz im Wichernstift dürfen Streicheleinheiten natürlich nicht fehlen. Fotos: Konczak
Tiere bringen viel Liebe
Finni ist schon seit zwei Jahren regelmäßig mit Frauchen Marie-Luise Frangen im Wichernstift zu Gast. Neun Bewohner sitzen im Kreis um sie herum und werfen einen flauschigen Würfel. Entsprechend der gewürfelten Augen landen Leckerlis im Topf. Doch bevor Finni die naschen darf, muss sie noch etwas tun. Die Leckereien kommen in einen Ball mit Löchern, den der Vierbeiner mit der Schnauze über den Boden rollt. So plumpst die Beute nach und nach heraus. Ebenso wichtig sind natürlich die kleinen und großen Streicheleinheiten zwischendurch und hinterher.
Eine, die oft die Gesellschaft der besonderen Besucher genießt, ist Ingrid Pepper. „Tiere bringen sehr viel Liebe rüber und strahlen etwas ganz Ehrliches aus“, meint die Wichernstift-Bewohnerin, die früher selbst Hunde zu Hause hatte. Ebenso wie Erika Treiber. „Wenn ein Hund zu Besuch ist, sieht man deutlich, was in den Gesichtern der Menschen vorgeht. Es weckt viele Erinnerungen“, sagt sie. So tun die Besuchshunde mit ihrer gutmütigen Art auch Menschen mit Demenz gut. Neben der Gruppenarbeit sind Einzelbesuche auf den Zimmern ebenfalls möglich.
Jeder Hund kann den Eignungstest machen
Frangen, die in der Gemeinde Hatten lebt, freut sich, dass sie mit ihrer Hündin auch anderen eine Freude machen kann. Aus der Zeitung hatte sie von der Besuchshund-Ausbildung bei den Maltesern erfahren. „Finni war schon immer sehr menschenfreundlich. Da dachte ich: Das ist es. Und habe mich beworben“, erzählt sie. Zunächst wird genau vorgeprüft, ob sich Hund und Mensch für die Ausbildung eignen. Die Rasse spielt dabei keine Rolle. „Jeder Hund ist ein Individuum und hat somit die Chance, beim Eignungstest dabei zu sein“, sagt Heike Walter, Stadtgeschäftsführerin des Malteser Hilfsdienstes in Delmenhorst, die den ehrenamtlichen Besuchsdienst aufgebaut hat.
Frisch aus der abgeschlossenen Ausbildung kommt Lilly. Die zweieinhalbjährige Havaneser-Hündin flitzt im Stuhlkreis umher und pickt sich Leckerlis von kleinen Puppen, die die Bewohner in den Händen halten. Und natürlich wird auch sie viel gestreichelt. „Es muss nicht immer Action geben“, sagt Frauchen Barbara Niemann. Und ganz wichtig: Nichts wird erzwungen. „Wir schauen, dass es dem Hund gut geht, und bieten dann etwas an“, so die Oldenburgerin, die nach der Pensionierung gern ein Ehrenamt mit ihrem Hund übernehmen wollte. „Ich brauchte wieder eine Aufgabe und dachte, es wäre schön, noch gebraucht zu werden. Das wollte ich mit dem Hund kombinieren.“ Über eine Googlesuche landete sie zufällig bei den Maltesern. Und freut sich, anderen nun besondere Freude zu schenken. „Man bekommt immer auch etwas zurück. Es ist toll, zu sehen, wie die Menschen mitmachen“, meint Frangen. Zudem lerne man seinen Hund durch die Ausbildung und die Besuchsdienste auch ganz anders kennen. „Man lernt, sein Tier zu lesen. Es gibt zum Beispiel bestimmte Zeichen der Überforderung und des Stresses“, erklärt Niemann.
Der Besuch dauert insgesamt eine halbe Stunde, wobei die aktive Kernzeit für die Hunde 20 bis 25 Minuten beträgt. Eine Herausforderung gerade zu Beginn, so die beiden Frauen, sei es gewesen, nicht zu viel in der Zeit zu wollen. Denn der Einsatz kann für die feinfühligen Fellnasen, die bei der Gruppenarbeit von vielen Menschen umgeben sind, ganz schön anstrengend sein. Auch wenn Niemann und Frangen manchmal gern noch mehr Zeit hätten, um den Menschen, die sie besuchen, Raum zu geben. Manche öffnen sich erst hinterher, fangen an zu erzählen, wie es früher mit dem eigenen Hund war.
Doch eins ist klar: Der nächste tierische Besuch kommt bestimmt.
Infos zur Ausbildung
In der Ausbildung „Besuchs- und Begleitdienst mit Hund“ werden Inhalte wie Erste Hilfe am Menschen und am Hund, Verhalten der Vierbeiner, Training für Gruppen- und Einzelbegleitungen, Krankheitsbilder wie Demenz und Schlaganfall, Umgang mit Einschränkungen, Trick- und Verhaltenstraining vermittelt. Und natürlich auch viel Spiel und Spaß. Der Lehrgang richtet sich ausschließlich an Ehrenamtliche, die für den Malteser Hilfsdienst in die Einsätze gehen werden. Daher wird der größte Teil der Kosten von den Maltesern übernommen. Hierfür werden unbedingt Spenden oder Patenschaften benötigt. Die Teilnehmer zahlen nur einen geringeren Eigenanteil. Voraussichtlich im August gibt es einen Infoabend, bei dem die Termine für den Eignungstest und die neue Ausbildung mitgeteilt werden. Laut grober Planung soll im November (oder auch erst im Januar) wieder ein Kurs starten. Mehr Infos bei Heike Walter, Telefon 04221/1 70 06, E-Mail heike.walter@malteser.org.