Jörn Hermening ist seit gut einem Jahr Ortsamtsleiter in Hemelingen. Im Interview zieht er Bilanz - und spricht über die Galopprennbahn, das Coca-Cola und Könecke-Gelände, über Hemelingens Schulen und Kitas. Foto: pv Jörn Hermening zieht nach gut einem Jahr als Ortsamtsleiter in Hemelingen Bilanz - und spricht über die Galopprennbahn, das Coca-Cola und Könecke-Gelände, über Schulen und Kitas. Foto: pv
Interview

Hermening in Hemelingen: Ortsamtleiter zieht Bilanz

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Jörn Hermening ist seit gut einem Jahr Ortsamtsleiter in Hemelingen. Im Interview spricht er über schöne und lustige, traurige und anstrengende Erfahrungen im Job und erklärt, warum Hemelingen mehr Gehör bekommen sollte.

Weser Report: Wie war das erste Jahr als Ortsamtsleiter in Hemelingen?

Spannend, anstrengend, freudig, traurig, lustig, aufregend, und stolz. Eigentlich alles, traurig war zum Beispiel die Schließung von Coca-Cola, Probleme und Entlassungen bei Lloyd-Dynamo. Anstrengend ist die Umsetzung der Beschlüsse. Der Beirat hat nicht sehr viele Entscheidungsrechte, aber selbst die werden nicht einfach so angewendet.

Was war bis jetzt das beste Erlebnis als Ortsamtsleiter?

Ganz viele tolle Erlebnisse mit dem konstruktiven Beirat, damit meine ich wirklich alle Vertreter die wir hier haben. Menschen first, Parteipolitik und sonstiges second.

Zum Beispiel haben die jungen Beiratsmitglieder die nicht mehr ganz so jungen Beiratsmitglieder überzeugt, das mit den Freiluftparties – die können vom Beirat verhindert werden – einfach mal zu probieren. Darauf haben sich alle eingelassen, das finde ich konstruktiv und bremisch. Buten un binnen – wagen un winnen.

Immer wieder ein neues bestes Erlebnis ist der Kontakt mit dem Grünen Dorf. Mit den tollen Ehrenamtlern und Mitarbeitern dort, die einfach machen und nicht lang schnacken. Im Übergangswohnheim dort durfte ich auch mit den Kids schon mal ein bisschen Rock ‘n‘ Roll machen im Garten, ganz am Anfang meiner Dienstzeit.

Oder Herr Brand aus Arbergen, der an seinem hundertsten Geburtstag zu mir als Gratulanten als erstes sagte, dass mir das mit dem Bart nicht stand. Da musste ich wirklich schmunzeln. Es gab so viel Schönes, da kann ich gar keine Hierarchie reinbringen.

Und was war das Schlimmste?

Davon gibt es auch nicht nur eins. Das Schicksal der Menschen am Sacksdamm, deren Wohnungen abgerissen werden sollen und die ihre Heimat verlieren, das geht mir nah. Da habe ich auch kein Verständnis, dass nicht auf Landesebene eindeutig Stellung bezogen wird.

Möglichkeiten gibt es und der Beirat hat sich eindeutig auf Seiten der Bewohner positioniert. Seit Jahren stehen dort sehr günstige Wohnungen leer und gleichzeitig sind auch diesen Winter Obdachlose in Bremen an Kälte gestorben. Das ist kaum erträglich. Im Durchschnitt sind wir unfassbar reich, aber halt sehr ungerecht verteilt.

Was wird Sie und Hemelingen in den nächsten Monaten beschäftigen?

So einiges. Die großen Themen sind Bebauung der Galopprennbahn und das Coca-Cola/Könecke Gelände, aber auch die Schulen. Zum Könecke-Gelände hatten wir gerade einen guten Aufschlag mit der ersten Bürgerbeteiligungsrunde, da könnten sich große Möglichkeiten für den Ortsteil Hemelingen entwickeln.

Und die Galopprennbahn?

Dort geht es jetzt darum, dass eine Bebauung kommt, die sich in die Umgebung einfügt und kein Fremdkörper wird, große Grün- und Sportbereiche wünschen sich die Bürger, im Beirat und im Regionalausschuss wurde auch der Wunsch nach bauträgerfreien Grundstücken laut.

Der Kampf um die Rennbahn ist mit dem Beschluss der Deputation vom vergangenem Jahr verloren, da kann man jetzt bockig werden und nichts tun oder nach vorne schauen und sich bemühen, dass man etwas draus macht, was dem Stadtteil zu Gute kommt.

Sie haben auch die Schulen erwähnt. Was ist da zu tun?

Gerade in der Oberschule Sebaldsbrück muss noch einiges im baulichen Bereich gemacht werden, Mittel sind aber eingestellt. Hemelingen braucht sich auch nicht ducken, sondern kann fordern, der Stadtteil übernimmt so viele Aufgaben für die gesamte Stadt und muss viel an Belastungen aushalten, da kann auch gerne viel zurück kommen.

Was wollen Sie als Ortsamtleiter unbedingt für den Stadtteil erreichen?

Ich möchte, dass die Bürger ernst genommen werden.Ich möchte, dass der Beirat mehr gehört wird in der Landespolitik, dass die Entscheidungen, die hier gewählte demokratische Vertreter, die ihre Freizeit für die Allgemeinheit opfern, getroffen haben, auch umgesetzt werden.

Ich möchte, dass alle Kinder die es brauchen, hier einen Krippen und Kita-Platz bekommen. Da schließe ich auch die Kinder ein, deren Eltern sich nicht selbst kümmern können oder wollen, gerade diese Kinder brauchen die Krippe und die Kita. Die Kinder müssen dort schon die deutsche Sprache lernen, damit Sie später eine Chance haben hier in Deutschland ihre eigene Zukunft aufzubauen.

 

Zur Person Jörn Hermening

Jörn Hermening ist 1975 in Minden geboren und lebt seit dem Jahr 2000 in Bremen. Der Diplomsozialarbeiter hat im März 2016 die Leitung des Ortsamtes in Hemelingen übernommen. Zuvor war er als Quartiersmanager in Tenever und Hemelingen tätig. Bis 2010 war er stellvertretender Landessprecher bei der Partei „die Linke“ und ist dann ausgetreten. 

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