Außenaufnahme Klinikum Delmenhorst. Foto: Konczak Im Klinikum Delmenhorst soll Niels H. zwischen Dezember 2002 und Juni 2005 62 Patienten getötet haben. Foto: Konczak
Krankenhausmorde

Staatsanwaltschaft klagt Niels H. wegen 97 Taten an

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Niels H. ist vermutlich der schlimmste Massenmörder der Nachkriegsgeschichte in Deutschland. Zwar sitzt der ehemalige Krankenpfleger lebenslänglich in Haft, doch der Großteil seiner Morde kommt erst jetzt vor Gericht.

Wie viele Menschen Niels H. zwischen 1999 und 2005 in den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst tatsächlich umgebracht hat, wird wohl niemals genau geklärt werden können. Wegen insgesamt sechs Morden wurde er 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. 97 weitere Taten (35 in Oldenburg/62 in Delmenhorst) kann ihm die Staatsanwaltschaft Oldenburg jetzt nachweisen.

Dass H. ein Serientäter sein könnte, hatte beispielsweise der damalige Rechtsanwalt des Klinikums Delmenhorst bereits 2005 vermutet, als der Krankenpfleger von einer Kollegin auf frischer Tat ertappt worden war. Obwohl die Untersuchung der Patientenakten den Verdacht erhärtete, waren zunächst nur wenige Leichen exhumiert und rechtsmedizinisch untersucht worden.

130 Leichen exhumiert

Erst 2014 als H. wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuches erneut vor Gericht stand, wurde der Druck der Öffentlichkeit so groß, dass die Staatsanwaltschaft Oldenburg handelte. Sie beschloss, dass alle Todesfälle, die sich während der Dienstzeit von Niels H. ereignet haben, untersucht werden sollen.

Die Sonderkommission „Kardio“ prüfte über 200 Fälle, ließ mehr als 130 Leichen exhumieren und untersuchen. In 97 Fällen fanden die Ermittler Rückstände von Medikamenten, deren Gabe nicht zur Krankheitsgeschichte der Verstorbenen passte. Bei Patienten, die nach ihrem Tod eingeäschert worden waren, war kein Nachweis mehr möglich. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Zahl der Tötungen weit über 103 liegt.

Patienten getötet, um sie zu reanimieren

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, das Niels H. die Medikamente verabreicht hat, um bei den Patienten einen Herzstillstand zu erzeugen. Dann spielte er sich bei Reanimationsversuchen als Retter in den Vordergrund.

Die Ermittlungen gegen Verantwortliche des Klinikums Oldenburg dauern noch an. Dort hatte schon 2001 der Verdacht bestanden, H. könne mit dem Tod von Patienten zu tun haben.

Mit gutem Zeugnis weggeschickt

Dennoch informierte man nicht die Polizei, sondern schrieb H. ein sehr gutes Zeugnis, mit dem er sich erfolgreich am Klinikum Delmenhorst bewarb. Dort trat er am 15. Dezember 2002 seinen Dienst an. Bereits am 22. Dezember 2002 soll er dort den ersten Mord verübt haben.

Doch auch in Delmenhorst tat man sich schwer damit, den Mörder an die Polizei zu übergeben. Obwohl man ihn am 22. Juni 2005 auf frischer Tat ertappte, ließ man ihn noch weiter arbeiten, da er am 24. Juni in Urlaub gehen sollte. Am Abend des 24. Juni 2005 soll H. noch einen weiteren Patienten getötet haben.

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