Museumsleiterin Frauke Hellwig im historischen Klassenzimmer aus der Kaiserzeit. Foto: Füller
Museum im Quartier

Schulmuseum: Schlechte Schüler nach hinten

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Im Gebäude der Schule Auf der Hohwisch erleben Besucher den Schulalltag ihrer Eltern und Großeltern.

Die Schule beherbergt das Schulmuseum. „Unser Fokus liegt auf der Vermittlungsarbeit und wir richten uns hauptsächlich an Schulen“, erklärt Museumsleiterin Frauke Hellwig. Steht etwa der Nationalsozialismus auf dem Lehrplan, kann anhand der Ausstellung der damalige Schulalltag samt Propaganda veranschaulicht werden.

Getrennte Schulen für Knaben und Mädchen

Seit 1983 wird die Sammlung ununterbrochen weitergeführt. Den Beginn markiert die Kaiserzeit mit Einführung der Schulpflicht. Schon das Gebäude gibt einen Anhaltspunkt: Zweigeteilt mit der Turnhalle in der Mitte, besuchten Knaben und Mädchen damals noch getrennte Schulen und lernten unterschiedliche Dinge.

Während die Knaben zu Kaisers Zeiten das Fach Raumlehre hatten, lernten die Mädchen Handarbeiten. Foto: Füller

Neben einer großen Sammlung von Einschulungsfotos seit dem Jahr 1900 birgt das Schulmuseum eine Vielzahl spannender Exponate: uralte Lehrmittel wie Sto

pfpräparate und Wandbilder, Schulbücher, Zeugnisse, Ranzen, Zeitzeugeninterviews und ganze Klassenzimmer zeigen, wie und was Kinder in Bremen zu unterschiedlichen Zeiten gelernt haben.

Unterricht erleben wie damals

Schulklassen können sogar in Schürzen und Matrosenhemdchen schlüpfen und erleben, wie sich das Sitzen in starren Bankreihen anfühlte. „Je schlechter ein Schüler war, desto weiter hinten saß er“, erklärt Hellwig.

Schüler können in Schürzen und Matrosenhemden schlüpfen. Foto: Füller

Eines ihrer Lieblingsexponate sind in Formalin konservierte Band- und Spulwürmer. „Volksgesundheit war ein Unterrichtsfach und die Kinder lernten, welche Parasiten den Menschen befallen können“, sagt die Museumsleiterin.

Großes Thema Nationalsozialismus

Neben der Kaiserzeit und der Weimarer Republik bilden der Nationalsozialismus und die Bremer Reformpädagogik weitere große Themenkomplexe. „Jede Teilausstellung begann als Sonderausstellung und wurde dann dauerhaft integriert“, sagt Hellwig.

Die Exponate stammen aus Bremer Schulen und von privaten Spendern. Vor allem Zeugnisse und Fotos werden der Museumsleiterin gebracht. „Schulbücher nehmen wir nicht mehr an, wir haben inzwischen um die 50.000 Stück und es dürfte nahezu jedes dabei sein“, sagt Hellwig.

Schultüten und Schummelzettel

Schreibhefte, Zeugnisse und Entschuldigungsschreiben verraten ihr und den Besuchern auch viel über die jeweiligen politischen u

nd familiären Verhältnisse. „Inzwischen suchen wir solche Dinge aus jüngerer Vergangenheit. Und auch Schultüten haben wir bisher sehr wenige“, ergänzt die Museumsleiterin.

Freuen würde sie sich auch über Schummelzettel oder Liebesbriefe.

Inzwischen plagt Hellwig die Raumnot. „Es gibt noch so viel zu zeigen, wir wissen aber leider nicht mehr wo.“

Das Schulmuseum beteiligt sich mit einem Erzählkabinett an der Langen Nacht der Museen am Sonnabend, 25. Mai. Schauspieler Martin Leßmann erzählt um 18.30, 20.30 und 22.30 Uhr im alten Hörsaal die schönsten Tierfabeln.

Infos zum Schulmuseum: schulmuseum-bremen.de

Geöffnet: Montag, Dienstag und Freitag von 9 bis 14 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung. Führungen und Programme für Gruppen nach Anmeldung. Preise: Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, Familien 5 Euro.

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7 Antworten

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Auch die Privatarchive von Bremern enthalten noch viele Erinnerungen an die Schulzeiten mehrerer Generationen. Dabei sind die Schulbücher und -hefte aus der Kriegszeit bei ihnen ein besonderes Andenken.

  2. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Auch in privaten Archiven von Bremern liegen noch viele Arte Fakte aus längst vergangener Schulzeit.

  3. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Bremer against social fascism

    Aus den Siebzigern sind gerade einige Bilder von Lehrern und Schülern der Admiralstraße in Findorff im Umlauf. Vielleicht findet das eine oder andere Foto von der Panzerfahrt einer sechsten Klasse auf dem Truppenübungsgelände von Schwanewede so auch ihren Weg ins Schulmuseum. Mich würde es freuen. Zeigt es doch einen Hauptmann der Reserve, der Klassenlehrer und NPD-Populist war und seinem katholischen Freund, der noch heute in Findorff lebt. Die Martin-Luther-Gemeinde war leider nie bereit, eine Ausstellung hierzu vom Fotografen kuratieren zu lassen, und die beiden noch lebenden Beamten zu einem Diskussionsforum einzuladen. Der ehemalige Schulleiter des Schulzentrums an der Regensburger Straße, schweigt auch lieber dazu, obwohl der Freund des Rechtspopulisten später auch dort unterrichtete.

    • Martin Korol sagt:

      Kleine Nachfrage: Was bedeutet der Satz „Bremer against social fascism“? Ich habe vom italienischen Faschismus unter Benito Mussolini gelesen; von spanischen Faschismus unter Franco und vom portugiesischen Faschismus unter Salazar. Es gab noch andere und dazu den Nationalsozialismus. Der war kein Faschismus. Er war 1000 mal schlimmer. Und was soll nun „social fascism“ sein? Ich habe die ganze Bibliothek des Bremer Schulmuseums daraufhin durchforstet, 50.000 Bücher, wurde aber nicht fündig.
      Martin Korol, Bremen

  4. Martin Korol sagt:

    Na, da hätte ich aber fünf Fragen und eine Antwort an Gunnar-Eric Randt: 1. Was ist „social fascism? und wie sieht ein Kampf dagegen aus? (Das muss eine Welt für sich sein. Ich jedenfalls kenne sie nicht und ich bin ziemlich welterfahren. Ich halte diese Welt schlicht für erfunden, für eine Kopfgeburt.). 2. Kann ich/ kann man denn nun im Schulmuseum die besagten Bilder einer Panzerfahrt anschauen? Wenn nicht, warum? 3. Durfte/darf ein Hauptmann der Reserve Klassenlehrer und NPD-Mitglied sein? Wenn nicht, warum? 4. Darf ein Katholik mit ihm befreundet sein? Wenn nicht, warum? 5. Darf ein Bürger namens Gunnar-Eric Randt im WR so denunziatorisch tätig sein wie ein IM in der DDR? Antwort: Ja, in einem so freien Staat leben wir. Das möge bitte auch so bleiben.
    Martin Korol, Bremen

  5. Martin Korol sagt:

    Das sind ja merkwürdige Andeutungen? Findet in Findorff eine Verschwörung statt? Dazu kommen mir fünf Fragen und eine Antwort in den Sinn: 1. Was ist „social fascism“ und wie sieht ein Kampf dagegen aus? (Das muss eine Welt für sich sein. Ich jedenfalls kenne sie nicht und ich bin ziemlich welterfahren. Ich halte „Bremer against social fascism“ schlicht für eine Kopfgeburt.). 2. Kann ich/ kann man denn nun im Schulmuseum die besagten Bilder einer Panzerfahrt anschauen? 3. Durfte/darf ein Hauptmann der Reserve Klassenlehrer und NPD-Mitglied sein? 4. Darf ein Katholik mit ihm befreundet sein? 5. Darf Gunnar-Eric Randt im WR sich mit einem solchen Feindbild zeigen, wie er es in seinem Kommentar tut? Antwort: Ja, in einem so freien Staat leben wir. Das möge bitte auch so bleiben.
    Martin Korol, Bremen

  6. Martin Korol sagt:

    Ich lese voller Freude: „Aus den Siebzigern sind gerade einige Bilder von Lehrern und Schülern der Admiralstraße in Findorff im Umlauf.“ Das interessiert mich sehr! Meine Frage: Könnte ich die Bilder mal sehen? Kann ich das im Schulmuseum tun? Denn da gehören sie ja hin!
    Martin Korol, Bremen

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