Patrick Bersebach Foto: Piontkowski Patrick Bersebach aus Bremen-Horn arbeitet im Irak. Fotos: Gabi Piontkowski/Privat
Hausbesuch

Ein Horner im Irak

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Patrick Bersebach führt ein Doppelleben: Er pendelt zwischen Horn und dem Irak.

Patrick Bersebach öffnet die Tür seiner schmucken Wohnung im Bremer Stadtteil Horn. Modern eingerichtet lebt er hier mit Ehemann Markus. Wer sich umsieht, denkt: Hier ist die Welt in Ordnung. Aber es gibt auch noch ein anderes Leben von Patrick Bersebach, ein Leben im Irak.

Der Ingenieur für Sicherheitstechnik heuerte im Dezember 2013 bei einer britischen Firma in Erbil, im nördlichen, kurdischen Teil des Irak an. Zu einer Zeit, als die Terrorgruppe „Islamische Staat“ (IS) auch im Irak wütete.

Das börsennotierte Unternehmen ist in der Erdölindustrie tätig. „Ich habe als Ingenieur für Arbeitsschutz den Bau einer Erdöl-Produktionsanlage begleitet“, sagt Bersebach. Inzwischen hat das Unternehmen zwei Produktionsanlagen, eine dritte wird 2020 gebaut.

Patrick Bersebach (r.) auf der Ölförderanlage im Irak mit seinem Ehemann Markus.

Patrick Bersebach (r.) auf der Ölförderanlage im Irak mit seinem Ehemann Markus.

Karriere im Irak gemacht

40.000 Barrel Öl fördert das Unternehmen am Tag. „Das entspricht ungefähr 6 Millionen Liter“, rechnet der 41-jährige vor.

Das Unternehmen expandiert, Bersebach wurde zum Leiter der Arbeitsschutzabteilung bestellt und hat inzwischen 38 Mitarbeiter unter sich. Bis Ende des Jahres sollen es 70 bis 72 werden, und der Horner ist seit Juni 2019 in das Senior Management Team des Unternehmens aufgestiegen.

Die Mitarbeiter kommen aus aller Herren Länder: Großbritannien, Bolivien, Amerika, Canada, Frankreich.

Arbeitsweg mit bewaffneter Eskorte

Arbeiten im Irak, ist das nicht gefährlich? Patrick Bersebach winkt ab. „Erbil ist wie hier“, sagt er und ereifert sich, die Annehmlichkeiten der kurdischen Metropole aufzuzählen: westliche Restaurants, Fitnessstudios, Rugby, Schwimmen, Tennis. Das war nicht immer so.

„Im Februar 2014 drang der IS bis Mossul vor“, blickt er zurück. Mossul ist 90 Kilometer von Bersebachs zweiter Heimat, Erbil, entfernt. Während viele andere ausländische Mitarbeiter das Land aus Sicherheitsgründen verließen, fuhr der Ingenieur weiter mit gepanzerten Fahrzeugen und bewaffneter Eskorte zu den Produktionsanlagen.

Angst hatte er damals nicht. „Wir waren an der Quelle der Informationen“, berichtet der Ingenieur. Man habe mit den Nachrichtendiensten und der amerikanischen Botschaft in engem Kontakt gestanden. So habe man immer gut absehen können, wie lange man noch in der Region bleiben könne.

Stillstand in der zweiten Heimat

Aber brenzlige Situationen gab es schon. Einmal sei der IS bis auf 15 bis 20 Kilometer an Erbil herangekommen. Ein freies Leben war auch in Erbil, einst die Kornkammer des Irak, nicht mehr möglich. „Das Leben in Erbil ist während der Zeit des IS zum Stillstand gekommen“, sagt er.

Seit der IS Mitte 2016 besiegt wurde, erholt sich Erbil wieder. Alle zwei Wochen fährt Patrick Bersebach in eine der Produktionsanlagen im Irak. „Unser Unternehmen empfindet eine hohe soziale Verantwortung für die lokale Bevölkerung“, sagt er. Das werde von den Kurden in der Region auch eingefordert.

Da werden dann mal Brunnen gebaut oder die Stromversorgung modernisiert. „In unserem letzten Sozialprogramm haben wir den Bauern gezeigt , wie man durch moderne Technologien den Ertrag aus den Feldern verdoppeln kann.“ 80 Prozent der Mitarbeiter seiner Firma kämen zudem aus der Umgebung von Erbil.

Auslandserfahrungen gesammelt

Nach fünf bis sieben Wochen, die er am Stück im Irak arbeitet, hat er ein bis drei Wochen Urlaub, die er mit Ehemann Markus in seiner Horner Wohnung verbringt.

Für den durchtrainierten Ingenieur ist es nicht der erste Auslandseinsatz. Bevor er in den Irak ging, arbeitete er in Libyen, Russland und Algerien. „Eigentlich fing alles an, als ich bei meiner Oma nach meinem Studium an der Bergischen Universität Wuppertal im Fernsehen einen Bericht über Sicherheitsingenieure auf Ölplattformen gesehen habe“, blickt er zurück. Da habe er sich bei Öl- und Gasfirmen beworben.

Von 2007 bis 2011 arbeitete er in Libyen, erst für RWE-DEA, dann für Wintershall, die ehemalige Erdölsparte von BASF.

Damals, mit 27 Jahren, sei er noch recht naiv gewesen. Libyen sei schon damals ein sehr konservatives Land gewesen, erinnert er sich. Einen Kaffee mit einer Kollegin trinken, das war damals nicht drin. Aber man habe sich frei bewegen können. Ähnliches hat Bersebach auch bei seinen Einsätzen in Russland und Algerien erlebt, bevor er im Irak eine zweite (Arbeits-)Heimat fand.

von Gabi Piontkowski

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