Wirbt für Luxusartikel: Maximilian Georg Arnold. Foto: privat Wirbt für Luxusartikel: Maximilian Georg Arnold. Foto: privat
Ansichtssache

Influencer – Idole der Werbung

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Eine Betrachtung zur Rolle von Influencern als emotionalisierte Litfaßsäulen.

Influencer – das wollen derzeit viele junge Menschen werden. Klingt auch verlockend. Einfach durch permanente Selbstinszenierung mit Instagram-Fotos und Youtube-Videos zur Verkörperungen eines bestimmten Lebensstils werden – und schon ist viel Geld zu verdienen als Wegweiser zu entsprechendem Konsumverhalten.

Werbeträger wollen diese Influencer sein: emotionalisierte Litfaßsäulen. Drei von der Kunsthalle zu einer Podiumsdiskussion geladene Repräsentanten bedienen zudem Rollenklischees, die nach hunderten Jahren der Emanzipation lustig antiquiert wirken. Denn die Frauen interessieren sich fast ausschließlich und unreflektiert für Kleidung, Beauty-, Lifestyle- und Abnehm-Produkte, der Mann für Autos, teure Uhren und Luxusmarkentextilien.

Jolina Mennen  Foto: privat

Jolina Mennen Foto: privat

Privates mit Beruflichem vereinen

Immerhin gibt es bei Jolina Mennen noch einen weiteren Aspekt: Sie ist 1992 als Julian in Bremen geboren worden, seit 2016 aber eine Frau. Ein positives Transgender-Beispiel würde sie gern sein und berichtet auf Video-Clips von ihrem Alltag. Gefilmt wird jede Banalität im privaten Umfeld. „Unverblümt und ehrlich“, so Mennen, sei sie bei der Behandlung ihres Themas: „Immer nur ich, ich, ich.“ Vornehmlich Frauen zwischen 18 bis 24 Jahre Jahren schauten ihr zu, als nähmen sie am Leben ihrer großen Schwester oder besten Freundin teil.

Das Geschäftsmodell dahinter: Will ein Unternehmen diese Kundengruppe gezielt ansprechen, sucht es einen dort vernetzten Influencer, beispielsweise Mennen, und bezahlt sie dafür, ihre Gemeinde für das entsprechende Produkt zu begeistern. In der Verquickung von Privatem und Beruflichem nutzt Mennen das Vertrauen ihrer Fans beispielsweise für Unilever.

Geld bekommt sie dafür, in ihren Veröffentlichungen einige Körperpflegemittel der Marke Dove zu lobpreisen. Da die Follower genannten Zuschauer wie Jünger ihre Jolina Mennen ganz doll verehren, kaufen sie auch gern die beworbenen Produkte, als wären es aus reiner Begeisterung gemachte Empfehlungen einer realen Kumpanin von nebenan.

Die Agentur „Jung von Matt/Sports“ hat vor zwei Jahren in einer Studie behauptet, Influencer bekämen pro 1.000 erreichter Menschen von den Auftraggebern zwischen 7,50 und 9 Euro. Das klingt jetzt erstmal nicht viel. Aber Mennen hat fast 300.000 Abonnenten ihres Youtube-Kanals und 155.000 Follower bei Instagram, da können schnell viele Tausend Euro für ein Werbe-Posting verdient werden.

Inszenierung purer Fake?

Cherifa Akili, nach Hamburg ausgewanderte Bremerin mit ghanaischen Wurzeln, wirbt seit 2015 unter dem Namen „curls all over“ für Textilien und Drogerieartikel, dabei schauen Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 30 zu.

Cherifa Akili Foto: privat

Cherifa Akili
Foto: privat

Kritische, ältere Jahrgänge würden zur Information über solche Produkte wohl qualifizierte Meinungen einholen, etwa das Urteil der Stiftung Warentest oder von Ökotest. Die nicht nur Wirkungsweise, Zusammensetzung, Praxistauglichkeit wissenschaftlich untersuchen, auch Nachhaltigkeit, gesundheitliche, ökologische und soziale Aspekte der Herstellung fokussieren. „All das nehme ich nicht als Thema auf“, so Akili.

Sie verkauft sich als Modepuppe in kühl designten Fotos, inszeniert die Waren in pseudoprivaten Settings. Die behauptete Authentizität ist purer Fake.

Dem in Bremen-Mitte wohnenden Maximilian Georg Arnold geht es um Imagekampagnen. Er posiert wie ein Millionär gern in einem schnieken Ambiente mit hochpreisigen Lebens-Accessoires und verschafft ihnen so Sichtbarkeit in seiner Community, vielleicht möchtegernreiche Männer ab 18 Jahre, die es als zukünftige Kunden anzufixen gilt. Die also jetzt schon mal anfangen sollen, etwa für ein Gefährt der Marke Jaguar zu sparen.

Der Einfluss der Influencer ist stets der Ausfluss des Geldes von den Konten der Follower.


Zum Thema:

Hannah Pot d‘Or, Fabian Nolte und Jolina Mennen (von links) verdienen als Influencer mit Klicks ihr Geld. Foto: pv

Diesen Bremer Influencern vertrauen 333.000 Leute
Wer glaubt, dass ein scheinbar nebenbei geknipstes Foto eine Spielerei ist, der ahnt nicht, dass sich damit inzwischen viel Geld verdienen lässt. Die erfolgreichsten Bremer Influencer verraten, wie aus Klicks Cash wird.

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