Förster Jens Meier zeigt anhand eines Videos die weltweiten Auswirkungen der Klimaerwärmung. Foto: Konczak
Interview

Der Wald muss sich umstellen

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Der Revierleiter Jens Meier über die Folgen der Globalisierung und des Klimawandels.

Delme Report: Herr Meier, der Kastanienallee im Hasbruch geht es schlecht. Wie kommt es zum Baumsterben der Kastanien?

Jens Meier: Es geht speziell um die Rosskastanie. Das Sterben dieser liegt an einem Bakterium, das hierhergekommen ist: Pseudomonas (wiss. Name: Pseudomonas syringae pv. aesculi). Dieses Bakterium tritt über offene Wunden der Kastanien über ihre Rinde ein und verursacht dann eine massive Fäule durch nachfolgende Pilze und führt dann relativ schnell zu Instabilitäten und dann auch zum Absterben der Kastanie. Bei alten Bäumen können schon starke Windbewegungen ausreichen, dass Risse entstehen, über die Pseudomonas eintreten kann. Viele Leute denken, dass es einen Zusammenhang gibt mit der Miniermotte. Aber das hat nichts mit dem Thema zu tun, die Motte ist schon seit vielen, vielen Jahren da. Wenn man etwa auf dem Hof die Kastanienblätter alle eingesammelt und zu K-Nord gebracht hat, dann ist die Motte kein Problem. Im Wald geht das natürlich nicht aber das hat nichts mit dem Absterben zu tun.

Pseudomonas ist ein Pilz?

Nein, es ist ein Bakterium, das ähnlich wie ein Pilzkörper aus der Rinde tritt. Kleine schwarze Flecken sind das dann. Dem Bakterium folgen dann sehr schnell Pilze, wenn deren Fruchtkörper aus dem Baum austreten, ist es zu spät. Der Pilz weiß dann: „Aha, hier habe ich zu Ende gefressen. Ich muss sehen, dass ich mir einen neuen Wirt suche.“

Es ging der Rosskastanie historisch gesehen in Deutschland gut. Warum auf einmal nicht mehr?

Zum einen Klimaveränderung und zusätzlich ist Pseudomonas auf dem Schiffswege hierhergekommen, 2007 wurde es erstmals in Deutschland nachgewiesen. Es gibt einen regen Welthandel und x-beliebige Pflanzen werden importiert und exportiert. Pseudomonas kommt nicht aus dem hiesigen Raum und ist auch auf dem genannten Wege aus Indien über die Niederlande hierhergekommen.

Die beiden Faktoren sind also Globalisierung und Klimawandel?

Ja.

Was könnte man machen, um die Situation wieder zu verbessern?

Für die Rosskastanie ist es zu spät. Man muss jetzt sehen, dass resistente Arten gepflanzt werden. Die Frage ist wieder: will man das? Denn diese resistenten Arten werden ebenso importiert. Es gibt eine amerikanische Rosskastanienart, die kann man in der freien Landschaft durchaus pflanzen. Im Naturschutzgebiet geht das allerdings nicht, weil man letzten Endes eine Pflanzenart einbringt, die nicht in dieses Ökosystem gehört.

Welcher Baum steht als nächstes auf der Abschussliste?

Vorher war es schon die Esche, die darf auch nicht mehr als junger Baum gepflanzt werden. Mit dem Sterben der Esche haben wir massiv zu tun, da sie im Gegensatz zur Rosskastanie auch eine Wirtschaftsbaumart ist. Für die Esche gab es viel Geld, wenn sie gut war. Seit sie nun seit einigen Jahren stirbt, ist der Markt mit Esche überschwemmt. Der Schlauchpilz, der die Esche angreift, konnte früher nicht in unseren kühlen Gegenden überleben, somit ist es wieder eine Folge der Klimaerwärmung. Beim Bergahorn tritt Rindennekrose auf, bis zu uns ist das allerdings noch nicht vorgedrungen.

In 200 Jahren gibt es keine Bäume mehr, sondern nur noch Pilze?

Nein, wir müssen uns auf andere Baumarten umstellen. Irgendwann wird es auch so sein, dass der Naturschutz sich damit auseinandersetzen muss, dass nicht alle unsere heimischen Baumarten hier mehr leben können. Die Buche hat ihr Optimum mit dem Klimawandel erlebt. Das ist jetzt vorbei. Die Eiche wird andererseits in nächster Zeit wieder eine Hochzeit bekommen.

Was können die Bürger tun, was sollte der Normalverbraucher vielleicht anders machen?

Das Thema Gartenabfälle bedroht unsere Wälder. Was immer noch sehr beliebt ist, ist das Abladen von Gartenabfällen im Wald. Gartenabfälle müssen entweder korrekt kompostiert oder zu K-Nord gebracht werden. Wir haben aufgrund der Gartenabfälle mit neuen Pflanzenarten zu kämpfen, die einwandern und nicht in unser Ökosystem gehören. Da gibt es drei typische Vertreter. Das eine ist der Japanische Staudenknöterich, dann gibt es das Drüsige Springkraut, das dritte ist die kontaktgiftige Herkulesstaude.

Wie hat sich das Tief Sabine auf den Hasbruch ausgewirkt?

Es gab Einzelwürfe von Ästen, bisher haben wir aber keine größeren Schäden festgestellt.

 

Zur Person

Der Förster Jens Meier leitet das Revier Hasbruch. Noch gibt es die Möglichkeit, Baumpatenschaften für die Kastanienallee zu übernehmen, die erheblich geschädigt ist und mit robusten Bäumen neu bestückt werden soll. Spender können sich unter Telefon 0176 / 24 87 02 23 an Heiko Ackermann wenden.

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