Indem man Silhouetten von Greifvögeln auf Fensterflächen klebt, kann vermieden werden, dass Vögel in solche Scheiben fliegen und sich dabei verletzen oder zu Tode kommen. Foto: Marcel, Pixabay
Tierwelt

Plastikringe immer zerschneiden

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Fensterflächen, Flaschenringe, Gummibänder, Kippen und Co. kosten vielen Tieren das Leben

Nicht nur Schornsteine, Regentonnen, Kellertreppen und Lichtschächte können Tieren das Leben kosten, es gibt noch viele weitere Gefahrenquellen für Tiere rings um Haus, Garten, Wohnung und Balkon sowie den Haushalt des Menschen. Es geht um Dinge und Gewohnheiten des menschlichen Alltags, die sich einfach umgehen lassen – Gefahr erkannt, schnell verbannt.

Fenster als Gefahrenquelle

Eine große Gefahrenquelle sind Fensterflächen. Vögel (und andere Tiere) kennen das Konzept „Glasscheibe“ nicht. Immer wieder passiert es, dass Vögel gegen eine Scheibe fliegen, zu Boden fallen und verenden, oder – noch benommen aufgrund eines Beschleunigungstraumas („Gehirnerschütterung“) – zu einem leichten Fang für Beutegreifer werden.

Tragische Unfälle bei Vögeln

Wildtierärztin Alexandra Dörnath, rät daher, Scheiben als Hindernis deutlich kenntlich zu machen etwa mit Greifvogelsilhouetten oder anderer Dekoration, die Vögeln deutlich macht, hier nicht entlang fliegen zu können. „Bei Fenstern kann man zumindest noch etwas machen. Bei anderen Gegenständen geht dies leider nicht. Erst im letzten Sommer hatte ich den Kofferraum meines Autos geöffnet und plötzlich und unerwartet flog eine Amsel mit hoher Geschwindigkeit gegen die Stoßstange und war sofort tot.“ Auch für eine erfahrene Tierärztin wie sie sei dies schlimm. Ihr seien sofort die Tränen in die Augen geschossen, als sie nur noch den Tod des Vogels feststellen konnte.

Plastikringe zerschneiden rettet Leben

Sie selbst wirft etwa niemals Flaschenringe oder andere ringförmige Kunststoffteile, wie beispielsweise die von einem Sixpack, oder die Verpackungsfolie von PET-Flaschen wie auch verknotete Geschenkbänder in die Gelbe Tonne, ohne diese vorher zu zerschneiden. Dasselbe gilt für elastische Haarbänder, aber insbesondere für Gummibänder jeglicher Art. Weshalb kann dieses Zerschneiden lebensrettend für Tiere sein?

Ganz einfach: Landen diese Ringe oder die anderen Plastik- oder Gummiteile im Müll und geraten von hier aus in die Umwelt, können Tiere mit ihren Gliedmaßen oder ihrem Kopf hineingelangen. Oft kommen sie nicht wieder hinaus aus dem Plastikteil und es kommt dann zu Einschnürungen. Dies kann eben nicht passieren, wenn diese Gegenstände vor ihrem Wegwerfen zerschnitten werden. „Jeder Kunde, dem ich das bisher erläuterte, war erstaunt darüber, denn daran hatte er noch gar nicht gedacht, fand es aber logisch und wollte dies ab sofort im Sinne des Tierschutzes auch machen“, erläutert Dörnath.

Gummibänder sehen aus wie Regenwürmer

„Gummibänder sind eine besonders perfide Gefahr. Tiere können sich in diesen nicht nur leicht verheddern und dann stranguliert werden und ersticken, Gummibänder sehen für manche Tiere aus wie Regenwürmer und würden dann gefressen,“ warnt die erfahrene Tierärztin. Einmal ab geschluckt, könnte dies zu einem Verschluss im Magen-Darm-Trakt führen. Am besten sollten Gummibänder gar nicht in den Müll, sondern so oft benutzt werden, bis es wirklich nicht mehr ginge. Dann aber müssten sie sorgfältig entsorgt werden.

Jeder Müll ist eine potenzielle Gefahr

Jedweder Kunststoffmüll stelle eine Gefahr für unsere Umwelt und unsere Tiere dar. „Die Bremer Polizei musste beispielsweise schon einmal einen Igel aus einem Joghurtbecher befreien, der bei der Nahrungssuche mit dem Kopf darin stecken geblieben war“, erzählt Dörnath.
Zigarettenkippen sind eine weitere Gefahr. Glühend weggeworfen können diese einen Brand verursachen.

Außerdem: „Von einer gerauchten Zigarette bleibt oft nur der mit Plastik überzogene Filter zurück. Dieser enthält fast 4.000 chemische Substanzen, wovon die meisten toxisch sind. Werden die Stummel gefressen, kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Allein, wenn ein kleiner Welpe auf einer Kippe spielerisch kaut, ist dies für diesen schädlich“, warnt Dörnath. Außerdem verschmutzten sie die Umwelt, das Grundwasser mit eingeschlossen.

Illegale Entsorgung von giftigem Plastikmüll

Dabei könnten diese Risiken wirksam minimiert werden, wenn die Zigarettenstummel sachgerecht – es gibt „Kippendosen“ – entsorgt würden. „Zigarettenstummel gehören nämlich nur in den Restmüll, und nirgends sonst hin,“ ärgert sich Dörnath über die gemeinhin illegale Entsorgung dieses giftigen Plastikmülls.

Zigarettenkippen sind hoch
giftig und dürfen nicht achtlos weggeworfen werden.
Foto: Dörnath

■ Falls Ihnen ein Thema rund um einheimische Wildtiere und auch Exoten unter den Nägeln brennt, schreiben Sie uns einfach unter martin.bollmann@weserreport.de eine Mail.

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