Im Golden City waren die Vorstellungen der Sehnsuchtslieder sehr gut besucht. Foto: Jan Meier Im Golden City waren die Vorstellungen der Sehnsuchtslieder sehr gut besucht. Foto: Jan Meier
Golden City

Integration kann eine große Party sein

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Lieder über Heimat, Sehnsucht, Liebe und Aufbruch gibt es in Deutschland wie in Syrien, dem Iran und Afghanistan. Frauke Wilhem hat zusammen mit Geflüchteten daraus die "Sehnsuchtslieder von der Gegenküste" entwickelt.

„Musik ist ein gutes Medium, um miteinander in Kontakt zu kommen. Gerade auch mit geflüchteten Menschen“, sagt Erich Kurzawski, Sprecher des Arbeitskreises Flüchtlinge in Ganderkesee. Und so taten sich die Akteure des Arbeitskreises mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ganderkesee, dem Verein GanterArt, dem Rotary-Club Ganderkesee und der Bürgerstiftung zusammen und holten sich Unterstützung aus Bremen in Form von Frauke Wilhelm und Nomena Struß vom Golden City-Team. Unterstützt werden sie bei der Aktion von der Gemeinde Ganderkesee, dem Landkreis Oldenburg, der regioVHS Ganderkesee-Hude und der Oldenburgischen Landschaft.

Frauke Wilhem träumt von einer Tournee der Sehnsuchtslieder

Die beiden Künstlerinnen Frauke Wilhelm und Nomena Struß hatten im vergangenen Jahr in der temporären Hafenbar am Europahafen und in weiteren Örtlichkeiten in Bremen zusammen mit geflüchteten Menschen aus Syrien, dem Iran und Afghanistan ein Musiktheaterprojekt präsentiert. Die Idee zu den „Sehnsuchtsliedern von der Gegenküste“ kam Frauke Wilhelm vor zwei Jahren, als mehr als 1.000 Frauen, Männer und Kinder aus vielen verschiedenen Nationen in der Überseestadt in Containern und Zelten untergebracht wurden. „Seit rund zehn Jahren beschäftige ich mich unter dem Titel ‚Golden City‘ mit der alten Hafengeschichte im Stadtteil Walle und der damaligen Kneipenkultur und nutze die Kultur, die Musik und das Theaters um die Menschen zusammenzubringen. Deshalb wollte ich auch etwas für die Flüchtlinge tun, sie integrieren“, sagt Wilhelm. Bei regelmäßigen Treffen wurde schnell deutlich, dass die Musik ein gutes Mittel zum gemeinsamen Austausch ist. „Die Idee war, dass Repertoire oder den Sound des Golden City – die deutschen Schlager und Chansons der 1950er und 60er Jahre –  in einer gemeinsamen Produktion um die typischen arabischen, kurdischen und persischen Sehnsuchtslieder aus den Heimatländern der Geflüchteten zu erweitern“, berichtet Wilhelm.

Arabischer Pop trifft auf deutschen Schlager

Zusammen mit zehn geflüchteten Musikern aus Syrien, dem Iran und Afghanistan, die zu Beginn der Proben teilweise erst wenige Monate in Deutschland waren, entwickelten die Bremerinnen das Programm. Bei den Proben wurde Arabisch, Farsi, Kurdisch, Englisch und Deutsch gesprochen, als Übersetzer fungierten Hoda Mobasher und Bashar Ebrahem.

Das rund zweistündige Programm setzt sich aus Liedern in deutscher, arabischer, kurdischer und persischer Sprache (mit deutscher Übersetzung auf Leinwand) und kleinen, teils skurillen Theaterszenen zusammen. Auch deutsche Sprichwörter und Redensarten sowie Situationen der Geflüchteten in der neuen Heimat werden verarbeitet. Abgerundet wird das Programm durch Videoeinspielungen in denen die beteiligten Flüchtlinge ihre Geschichte erzählen.

Bei dem Stück zeigen die Akteue nicht nur musikalisches Können sondern auch Schauspieltalent. Foto: Jan Meier

Bei dem Stück zeigen die Akteue nicht nur musikalisches Können sondern auch Schauspieltalent. Foto: Jan Meier

Flüchtlinge erzählen in kurzen Videoclips ihre Geschichte

Die Show wurde im vergangenen Jahr vor allem im Golden City, aber auch in anderen Örtlichkeiten im Bremer Raum gezeigt – immer mit prositiver Resonanz beim Publikum. Ganderkesee ist der erste Veranstaltungsort über die Grenzen von Bremen hinaus. „Mein Traum wäre eine Tournee mit den Sehnsuchtsliedern rund um Bremen“, sagt Wilhelm. Man erreicht sie per Mail an info@goldencity-bremen.de. Bereits abgeschlossen ist eine CD zu dem Projekt, die für 8 Euro bei den Konzerten verkauft wird.

In Ganderkesee werden die „Sehnsuchtslieder von der Gegenküste“ am Sonnabend, 4. Februar, ab 19 Uhr in der Mensa der Oberschule am Steinacker 9 präsentiert. Der Eintritt ist frei, die Anzahl der Besucher ist auf 200 Personen begrenzt. Interessenten müssen sich unter der Rufnummer 04222 4 44 44 anmelden. Im Anschluss an die Inszenierung können die Besucher mit den Künstlern ins Gespräch kommen.

Die Szenen muten teilweise ausgesprochen lustig an. Foto: Jan Meier

Die Szenen muten teilweise ausgesprochen lustig an. Foto: Jan Meier

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