Kristian Friedland (Moritz Führmann, Zweiter v.r.) steht unter Mordverdacht, doch sein Vater (Rainer Bock, r.) verhindert eine Befragung durch die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen). Foto: Radio Bremen/Michael Ihle Kristian Friedland (Moritz Führmann, Zweiter v.r.) steht unter Mordverdacht, doch sein Vater (Rainer Bock, r.) verhindert eine Befragung durch die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen). Foto: Radio Bremen/Michael Ihle
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Bremer Tatort: Lautloses Auto als Mordwaffe

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Wieviel Kummer können Eltern aus Liebe zu ihrem Kind ertragen? Und wie weit kann Vertrauen im Namen der Liebe ausgereizt werden? Um diese Fragen dreht sich heute Abend im Ersten der neue Bremer Tatort „Nachtsicht“.

Ein junger Mann wird nachts von einem Auto überfahren. Die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) wissen schon bald, dass es kein Unfall war.

Als kurze Zeit später erneut ein junger Mann überfahren wird, ahnen die Kommissare, dass sie es mit einem Serientäter zu tun haben. Spuren am Tatort führen zum ehemaligen Drogenabhängigen Kris­tian Friedland (Moritz Führmann).

Was hat die Familie Friedland zu verbergen?

Zum Erstaunen der Kommissare versuchen seine Eltern (Angela Roy und Rainer Bock) mit allen Mitteln, die Ermittlungen von ihm fernzuhalten. Was hat die Familie zu verbergen?

Der neue Bremer Tatort „Nachtsicht“ aus der Feder von Matthias Tuchmann und Stefanie Veith kommt – der Titel lässt es erahnen – düs­ter und zuweilen durchaus bedrückend daher. Ein Serientäter rast mit seiner fast lautlosen Waffe auf vier Rädern durch die Nacht, um gezielt Morde zu begehen. Kein Stoff für schwache Nerven, der sich jedem, der demnächst mal im Dunkeln mit dem Fahrrad unterwegs ist, wieder ins Gedächtnis rufen dürfte.

Blinde Elternliebe schützt Tatverdächtigen

Die Protagonisten dieses Falls sind neben dem Tatverdächtigen, Kristian Friedland, vor allem dessen Eltern Jost und Leonie Friedland. Aus nahezu blinder Elternliebe heraus ertragen sie alle Fehltritte und Abgründe, die sich rund um „unseren Großen“ auftun, mit Würde und vermeintlicher Gelassenheit.

In intimeren Momenten fällt diese Fassade dann jedoch. Der Zuschauer wird Zeuge, wie die Entwicklung ihres Sohnes den Eltern fast das Herz zerreißt.

Alles in allem hat Regisseur Florian Baxmeyer einen sehenswerten Tatort abgedreht – keine wirren Verschwörungen, keine aufgesetzte Gesellschaftskritik: einfach ein spannender Krimi alter Schule.

Tatort-Macher setzen zu sehr auf Ekel-Effekte

Kritik kann einzig an der Darstellung der einen oder anderen Szene geübt werden. So stellt sich die Frage, ob es unbedingt nötig ist, in Nahaufnahme zu zeigen, wie Jost Friedland seiner Frau fast genüsslich eine Spritze in den entblößten Beinstumpf setzt. Und ob es die Geschichte wirklich weiterbringt, wenn der Zuschauer Zeuge wird, wie der Gerichtsmediziner an einem Potpourri von Blut, Zähnen und Fingernägeln schnuppert, um sich kurz darauf zu übergeben. Prost, Popcorn!

Zwischen Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) und BKA-Ermittlerin Linda Selb (Luise Wolfram) knistert es.   Foto: Radio Bremen

Zwischen Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) und BKA-Ermittlerin Linda Selb (Luise Wolfram) knistert es. Foto: Radio Bremen

Und dann ist da noch eine alte Bekannte: BKA-Ermittlerin Linda Selb alias Luise Wolfram. Die bekommt von den Tatort-Machern nach den ersten schrullig-albernen Auftritten endlich ein etwas menschlicheres Gesicht verliehen. Das tut der Rollenfigur, aber auch dem Tête-à-Tête mit Kommissar Stedefreund gut.

Der Tatort „Nachtsicht“ läuft am heutigen Sonntag, 12. März, um 20.15 Uhr im Ersten.

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