So putzig der Waschbär mit seiner „Panzerknacker-Augenbinde“ auch wirken mag – in der hiesigen Natur stellt der nachtaktive Räuber eine Bedrohung für viele seltene Arten dar. Foto: DJV/Rolfes So putzig der Waschbär mit seiner „Panzerknacker-Augenbinde“ auch wirken mag – in der hiesigen Natur stellt der nachtaktive Räuber eine Bedrohung für viele seltene Arten dar. Foto: DJV/Rolfes
Natur

Osterholzer Jägerschaft nimmt Waschbären ins Visier

Von
Einst aus Nordamerika eingeschleppt, breitet sich der Waschbär immer stärker in deutschen Wäldern aus. Auch im Landkreis Osterholz wird er mittlerweile intensiv bejagt, da er die Artenvielfalt gefährdet.

Pelzig, putzig, aber auch ein Plagegeist: der Waschbär. Erst kürzlich hat ihn die EU-Kommission in eine Liste mit 37 fremden, invasiven Arten aufgenommen, die europaweit zurückgedrängt werden sollen. Denn: Der Kleinbär verursacht Schäden in Siedlungs- und Gartenanlagen und beeinflusst die heimische Artenvielfalt negativ.

Im Jahr 1920 gelangten die ersten Waschbären zum Zweck der Pelztierzucht nach Deutschland, wurden teils auch aktiv in der Natur angesiedelt oder sind aus Farmen ausgebrochen. Von Nordhessen und Brandenburg aus bahnen sich die Tiere allmählich auch den Weg nach Niedersachsen – und in den Landkreis Osterholz.

Jäger wollen Waschbär-Ausbreitung eindämmen

Eine Schätzung aus dem Jahr 2009 vermutete bis zu 50.000 Waschbären in Deutschland. Laut des Deutschen Jagdverbands sei mittlerweile fast jedes zweite Jagdrevier „in Waschbärhand“.

„Ganz wegbekommen wird man sie sowieso nicht mehr. Das ist aussichtslos“, sagt Kreisjägermeis­ter Heiko Ehing. „Aber man muss den Waschbär intensiv bejagen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.“ Im Landkreis Osterholz wurden in den vergangenen Jahren jeweils zwei bis vier Waschbären erlegt.

Waschbär ist kein heimischer Räuber

Gut zu erkennen sind die Tiere an einer dunklen Fellfärbung um die Augen herum, die an die Augenbinden von Walt Disneys „Panzerknackern“ erinnern. Sig­nifikant sind zudem die fünf bis sieben dunklen Ringe am Schwanz, in der Fachsprache als Lunte bezeichnet.

Doch warum haben EU-Kommission und Jägerschaft ein Interesse daran, die Waschbären zurückzudrängen? Nun, Rotfuchs und Dachs sind bekannte heimische Räuber. Weitere räuberische „Einwanderer“, die sich in Deutschland ausgebreitet haben, sind Marderhund, Mink und eben auch der Waschbär.

Fauna in der Hammeniederung gefährdet

Die Tiere sind Allesfresser, können klettern und ernähren sich von Obst, Mais, Eicheln, Insekten und Regenwürmern. „Aber auch Gelege von Boden- und Höhlenbrütern und nicht flugfähige Jungvögel sind vor ihnen nicht sicher“, erklärt Heiko Ehing. „Das ist gerade bei uns in der Hammeniederung, wo großer Aufwand betrieben wird, um seltene Vogelarten zu schützen, ein Riesenproblem.“ 

Auch griffen sich Waschbären ohne weiteres Fledermäuse aus hohlen Baumstämmen. Würden diese auf Dachböden vermutet, seien auch Wohngebiete kein Hindernis für Waschbären. „Die heben im Zweifel die Dachpfannen ab, um ins Innere zu gelangen“, so der Kreisjägermeister. Ein weiteres Problem sei, dass die dämmerungs- und nachtaktiven Kleinbären ihren Speisezettel gern durch Abfälle bereicherten – Mülltonnen seien dabei willkommene Quellen.

Ehing beruhigt übrigens: Der Waschbär stelle für den Menschen keine Bedrohung dar. „Ganz klar: Er gehört zur Familie der Kleinbären und ich möchte nicht von einem Waschbären gebissen werden, aber in der Regel sind die Tiere recht scheu.“

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...

Eine Antwort

  1. misterknister sagt:

    Ich finde es immer wieder schlimm, wie einseitig den sogenannten „Räubern“ aus dem Tierreich die Verantwortung zur Dezimierung der Vogelwelt und andere Untaten unterstellt wird. Ich selber finde es auch nicht schön wenn Vögel getötet werden, aber davon abgesehen, sind es keine Räuber, sondern die Tiere ernähren sich nur, was jedem Lebewesen zugestanden werden sollte.
    Es wäre fair gewesen zu erwähnen, dass die Dezimierung bis zur Platzierung auf der Roten Liste für bedrohte Tierarten ausnahmslos dem Menschen anzulasten ist. Im Falle der Bodenbrüter und anderer Vogelarten z.B. durch die Monokulturen, oder den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. Übrigens wurde mir das in einem vertraulichen Gespräch mit einem Berufsjäger einmal bestätigt. Gerade die Tötung von Haustieren durch Jäger steht ja immer wieder in der Kritik und für die Öffentlichkeit lässt es sich wesentlich besser verkaufen, wenn man als Begründung für die Jagd auf Hund und Katze (aber natürlich auch auf den Fuchs) den Schutz anderer Tierarten angibt. Die Landwirtschaft anzugreifen gestaltet sich da schon schwieriger und gefährlicher, was die Gegenwehr betrifft.
    Die sogenannten Schädlinge bzw. auch andere Insekten, die getötet werden, stellen die Nahrung dieser Vögel dar. Wenn weniger Nahrung vorhanden ist, verhungern die Vögel bzw. werden stark dezimiert.
    Im Falle des oder der Füchse im Stadtgebiet, nicht nur hier in Bremen, ist es die Verdrängung der Tiere aus Ihrem natürlichen Lebensraum. Natürlich auch bzw. nur durch den Menschen. Es gibt in den meisten Bundesländern doch kaum noch ein Waldstück das nicht durch irgendwelche Menschen durchstöbert wird oder ein Brachland wo sich in Ruhe irgendwelche Tierarten aufhalten können, ohne vom Menschen gestört zu werden, sei durch die reine Anwesenheit oder durch irgendwelche Bauvorhaben.
    In Luxemburg ist die Fuchsjagd verboten und es hat sich gezeigt, dass sich der Bestand durchaus selber regulieren kann. Der Fuchs ist auch ein „natürlicher“ Feind von jungen Waschbären, aber wenn der Fuchs getötet wird, vermehren sich natürlich auch andere Tierarten, die dem Fuchs als Nahrung dienen.
    Wie im Falle des Waschbären hat man natürlich sofort wieder einen Grund für die Jagd parat.
    Begründung: Die Waschbären (und andere Tiere) vermehren sich ja schließlich unkontrolliert (mangels der zuvor getöteten natürlichen Feinde).

    Tja, aber da sollten wir Menschen uns vielleicht mal an die eigenen Nase fassen.

Schreiben Sie einen Kommentar