Die Sonnenuntergänge über den Trainingsplätzen in Randburg sollen legendär sein. Foto: Randsburg AFC
Trainingslager

Werder übt auf dem Rasen von Randburg

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Randburg AFC heißt der Gastgeber für Werders Winter-Trainingslager. Der Club spielt zwar nur in der dritten Liga seines Landes, doch der Verein hat sich viel vorgenommen und will von den Bremern lernen.

Thabang Maponya. Zugegeben, das ist kein Name, der nach großer, weiter Fußballwelt klingt. Rechtsverteidiger bei Deportivo Crevillente, Provinz Alicante, zweite Liga in Spanien – besonders schillernd liest sich das nicht. Und dennoch ist dieser Thabang Maponya ein Star. Einer, dem kleine Kinder nacheifern, und einer, der gut 11.000 Kilometer von Crevillente entfernt Heldenstatus genießt.

Beim Randburg AFC, Johannesburg, Südafrika, verfolgen sie die Karriere des 23-Jährigen auf Schritt und Tritt. Schließlich hat es Maponya, der Junge aus dem eigenen Nachwuchs, geschafft: Er ist als Profi in Europa untergekommen. Sein Name ist auf der Anlage des RAFC allgegenwärtig – Werder Bremen dürfte das bald feststellen. Vom 3. bis zum 12. Januar hält der Bundesligist sein Winter-Trainingslager auf den Plätzen in Randburg ab. „Es ist sehr aufregend für uns, einen so großen Club in Empfang nehmen zu dürfen“, sagt Kevin Mudie aus dem Vorstand des RAFC. Ein Vereinsporträt.

Schnelle Antwort

Die Antwort auf die Anfrage per E-Mail lässt nicht lange auf sich warten – nein, sie kommt sogar überraschend prompt. 30 Minuten dauert es nur, ehe sie im Posteingang auftaucht. „Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Club.“ So beginnt der kurze und freundlich formulierte Text, den Kevin Mudie kurz zuvor in die Tastatur seines Computers getippt hat. Am anderen Ende der Welt, in Johannesburg. Gerne ist der 57-Jährige bereit, Fragen zu seinem Verein zu beantworten. Der Randburg AFC ist schließlich sein ganzer Stolz.

„Wir haben 40 Teams und über 600 Spieler“, berichtet Mudie, „unser Einzugsgebiet ist riesig.“ Die erste Mannschaft des 1974 gegründeten Vereins spielt zwar „nur“ in der dritten Liga – für Aufsehen sorgt der RAFC aber trotzdem: durch seine Nachwuchsförderung. Auf seiner Internetseite wirbt der Verein mit dem „umfassendsten Entwicklungs- und Ausbildungsprogramm eines Amateurfußballvereins im südlichen Afrika“. Dazu gehören auch Reisen zu internationalen Turnieren, die für den RAFC die Höhepunkte des Fußballjahres darstellen.

U15 reist nach Europa

Im April 2019 reist die U 15 etwa – gemeinsam mit Nachwuchsspielern des Proficlubs Orlando Pirates – zum Rotterdam-Cup in die Niederlande, um sich dort unter anderem mit dem Nachwuchs von RB Leipzig, 1899 Hoffenheim, Tottenham Hotspur und Atletico Madrid zu messen. „Unser großes Ziel ist, dass die U 15 gut abschneidet. Wir haben einige wirklich talentierte Spieler in dieser Altersklasse und hoffen darauf, dass vielleicht ein oder zwei von ihnen entdeckt werden.“

„Wir sehen es als größten Erfolg unseres Vereins, dass wir schon Spieler im Profibereich unterbringen konnten“, sagt Mudie und verweist auch auf Michael Morton vom südafrikanischen Erstligisten Amazulu FC und auf Kylie-Anne Louw, die für das Frauen-Nationalteam spielt. Keine schlechte Ausbeute für einen Amateurverein, der sich selbst aber längst an der Schwelle zur Professionalität sieht. Dass europäische Profivereine die Anlage des RAFC für ihr Trainingslager nutzen, sehen sie in Randburg als Bestätigung ihrer Arbeit – und als Chance.

Hoffenheim war 2015 da

Nachdem Hoffenheim 2015 bereits auf den Plätzen im Norden Johannesburgs zu Gast gewesen war, kommt nun also Werder Bremen, was Mudie besonders freut. Schließlich hat er so die Gelegenheit, einen seiner Lieblingsspieler einmal hautnah zu erleben: Maximilian Eggestein. „Er ist für mich der herausragende Spieler bei Werder“, betont der Mann aus dem Clubvorstand, der früher selbst als Profi auf dem Platz stand. 1982 und 1983 wurde er Meister mit Durban City, „über 130 Tore habe ich in meiner Karriere erzielt“, hebt Mudie hervor.

Vom Besuch der Bremer versprechen sich die Offiziellen des RAFC einen großen Erfahrungsgewinn. Sie werden direkt miterleben, wie ein Bundesligist arbeitet und wollen dabei Anregungen für den eigenen Alltag sammeln.

Kein großer Empfang für Werder

Einen großen Empfang für den Bundesligisten plant der RAFC allerdings nicht, „nur, wenn Werder es wünschen sollte“. Ansonsten stünde im Mittelpunkt, der Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt so viel Ruhe wie möglich zu verschaffen. „Wir haben viel aus Hoffenheims Besuch gelernt und wissen, was wir liefern müssen“, betont Mudie.

Einen besonderen Höhepunkt gibt es dabei gratis obendrauf: Die Sonnenuntergänge über den Rasenplätzen in Randburg, Johannesburg sollen wirklich legendär sein.

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