Bei einer Sammelaktion am Osterdeich wurden auf nur 300 Metern 23.500 Zigarettenkippen gefunden.Foto: Dorothea Seeger
WESER REPORT & BUND

Kippen sind echter Sondermüll

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Zigarettenstummel verursachen 53 Prozent des Mülls an den deutschen Ostseestränden.

Allein in Deutschland werden jährlich rund 106 Milliarden Zigaretten geraucht. Davon landen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwei Drittel auf dem Boden: Das sind weltweit etwa 4,5 Billionen Zigarettenstummel pro Jahr. Die Folgen sind zum Teil deutlich sichtbar: 53 Prozent des Mülls an den Ostseestränden sind Zigarettenkippen.

„An der Nordsee landen sie regelmäßig in den Top 10 der am häufigsten gefundenen Müllteile“, berichtet Isabelle Maus vom BUND Meeresschutzbüro in Bremen. „Bei einer Sammelaktion in Bremen am Osterdeich fanden wir auf nur 300 Metern 23.500 Kippen.“

Die Kippen einfach auf die Straße zu werfen, scheint gesellschaftlich akzeptiert. Der Weg von der Straße in den Fluss bis in die Meere ist dann kurz.

Ein Filter kann 1.000 Liter Wasser vergiften

Die dort nahezu unsichtbaren Folgen halten dafür umso länger an und sind gefährlich für Tiere, Pflanzen und Wasser. Denn die Aufgabe der weggeworfenen Filter ist es, die Giftstoffe der Zigaretten zu sammeln.

Das können bis zu 7.000 Schadstoffe sein, von denen 50 nachweislich krebserregende Substanzen sind. Maus: „In Berührung mit Wasser hat sich beispielsweise schon nach einer halben Stunde die Hälfte des Nikotins gelöst.

Somit reicht ein einzelner Filter aus, um bereits 1.000 Liter Wasser für kleine Wassertiere wie Wasserflöhe zu vergiften.“ Außerdem bestehen die konventionellen Filter nicht wie oft angenommen aus Papier, sondern aus Zellulose-Acetat.

Taschenaschenbecher für unterwegs

Der Kunststoff wird fast ausschließlich zur Herstellung von Zigarettenfiltern genutzt und zerfasert in der Umwelt sehr schnell. „Zurück bleiben Mikroplastikpartikel, die sogar schon im arktischen Eismeer gefunden wurden“, sagt die Meeresschutz-Expertin.

Ihr Appell: Es ist verhältnismäßig einfach den Weg zum nächsten Aschenbecher mit einem Taschenaschenbecher zu überbrücken und den „Sondermüll Zigarettenkippe“ dort dann sachgerecht zu entsorgen.

Der BUND setzt in dem neuen Projekt „Bremen für Meere ohne Müll“, gefördert von Umweltsenatorin Maike Schaefer, auf die Sensibilisierung solcher Müllprobleme durch Mitmachaktionen und Bildungsarbeit.

Nähere Informationen gibt es unter bund-bremen.net/meer im Netz.


Die Expertin

Ein einzelner Filter reicht aus, um 1.000 Liter Wasser zu vergiften, weiß Isabelle Maus vom Bremer BUND.

BUND-Expertin Isabelle Maus. Foto:Wingrat

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