Das Fotoatelier der Familie Frank lag an der Lilienthaler Hauptstraße. Gegründet wurde das Unternehmen 1872. Foto: Frank/ Focke-Museum
Preisgekrönte Fotos

Schätze einer Fotodynastie

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Das Focke-Museum erhält aus den USA den umfangreichen Nachlass der Familie Frank.

Schon sein Großvater war Fotograf. Julius Frank führte diese Tradition fort, musste aber 1936 fliehen, weil er Jude war. Im Gepäck hatte der Lilienthaler preisgekrönte Fotokunst seiner Familie. In den USA fand er Zuflucht und machte sich auch dort einen Namen als Lichtbildkünstler. Nun ist der Nachlass der Familie nach Deutschland zurückgekehrt. Franks Kinder Mike und Barbara überließen den Schatz dem Focke-Museum und dem Heimatverein Lilienthal.

Die Kuratorin des Bremer Landesmuseums, Karin Walter, sichtete die Überseefracht. „Dank der Übergabe wird es erstmals möglich sein, das Wirken umfassend zu erforschen und in einer Ausstellung zu würdigen.“ Neben 1.000 Originalabzügen in unterschiedlichen Formaten, Negativen und Dias lagen viele private Familienunterlagen in der Kiste, auch Julius Franks altes Trikot des TV Lilienthal. „Er war ein großer Sportler“, sagt Harald Kühn vom Heimatverein Lilienthal. „Sein Herz ist in Lilienthal geblieben.“

Porträts und Landschaften

Die Fotomotive sind vielfältig. Sie reichen von Porträts und Landschaftsaufnahmen aus Lilienthal und umzu bis hin zu Bildern der amerikanischen Autoindustrie, auch Werbe- und Architekturaufnahmen sind darunter. In den Augen der Kuratorin war Julius Frank nicht nur ein exzellenter Fotograf, sondern auch handwerklich versiert. „Seine selbst gefertigten großformatigen Abzüge zeugen von seiner Meisterschaft im Laborbereich. Diese Aufnahmen montierte er mit künstlerischem Anspruch auf Kartons und versah sie mit Titel und Signatur.“

Während sich Julius Franks Großvater in Lilienthal auf das klassische Porträtgeschäft konzentrierte, gründete sein Sohn Henry mit dem Verlag „Deutsche Heimatmotive“ ein erfolgreiches zweites Geschäft. Hier veröffentlichte und vertrieb er seine Landschaftsaufnahmen von Moor und Heide. Die Fotografien standen in der Bildtradition des Künstlerdorfes Worpswede. Franks Bilder erschienen als Ansichtskarten und großformatige Kunstabzüge in Lilienthal, Bremen, Hamburg und Worpswede.

Neustart in den USA

Dieses Geschäft baute Enkel Julius weiter aus. Doch die Machtübernahme der Nazis brachte die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Viele Kunden ließen das Fototalent fallen.
Nach der Flucht begann Julius Frank in Detroit einen beruflichen Neustart. Zunächst übernahm er die Leitung der Fotoabteilung der Firma Multicolor, ab 1941 war er Por-trätfotograf bei der Firma H.H. Powell. 1947 zog Frank mit seiner Familie nach Los Angeles, ab 1949 arbeitete er für Julius Shulman. Shulman gilt als größter Architekturfotograf des 20. Jahrhunderts. Julius Frank starb 1959 an einem Herzinfarkt.

Franks Werk geriet in Vergessenheit. Doch die Spurensuche des Heimatvereins Lilienthal brachte seine Arbeit wieder in Erinnerung. Der Verein nahm 2004 mit der Witwe und den Kindern Kontakt auf, 2005 brachten die Autoren Peter Richter und Harald Kühn ein Buch über die Familie heraus. Seit 2006 liegen vor dem ehemaligen Wohnhaus an der Lilienthaler Hauptstraße „Stolpersteine“. „Für uns hat das einen emotionalen Wert“, sagt Kühn.

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